GrapheneOS-Nutzer verlieren Zugang zur VW-App und üben Kritik

Volkswagen gerät wegen seiner Datenschutzpolitik in die Kritik. GrapheneOS-Nutzer berichten, dass sie aus der offiziellen VW-App ausgesperrt wurden. Manche können sich nicht mehr einloggen, keine Fahrzeugdaten synchronisieren und ihr Auto nicht mehr fernsteuern.
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VWs App sperrt GrapheneOS-Nutzer aus – Rund 500.000 datenschutzbewusste Android-Nutzer können sich weder einloggen noch ihre Fahrzeuge steuern, obwohl veraltete Android-Versionen weiterhin unterstützt werden.
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Teil einer umfassenderen Datenabriegelung – VW hat kürzlich den Zugang für Drittanbieter-Tools zum intelligenten Laden gekappt und betroffenen Nutzern mitgeteilt, ihr datenschutzorientiertes Betriebssystem sei „kein offizielles Volkswagen-Angebot.“
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Die Datenschutz-Community schlägt zurück – Kritiker werfen VW vor, Nutzerrechte zu verletzen und geschlossene Ökosysteme zu schaffen. In GrapheneOS-Communitys laufen bereits E-Mail-Kampagnen, um den Konzern unter Druck zu setzen.
GrapheneOS ist ein maximal sicheres Android-Betriebssystem, das einen Großteil der Google-Tracking-Technologie entfernt. Es ist bei Smartphone-Nutzern, denen Datenschutz am Herzen liegt, längst zur festen Größe geworden.
Das Open-Source-Projekt zählt inzwischen schätzungsweise eine halbe Million Nutzer, Tendenz steigend, denn immer mehr Menschen wollen sich von den großen Tech-Konzernen lösen.
Eine im März angekündigte Kooperation mit Motorola könnte langfristig dazu führen, dass ein Mainstream-Gerät mit dem Open-Source-System ausgeliefert wird.
Der Frust der Kunden wächst
Erste Meldungen tauchten im GrapheneOS-Forum und in der Reddit-Community r/degoogle auf, wo Nutzer beschrieben, wie ihnen der Zugang zur Volkswagen-App trotz aktualisierter Software plötzlich verwehrt wurde.
Das Problem scheint das gesamte App-System von Volkswagen zu betreffen und ist nicht auf ein bestimmtes Fahrzeugmodell beschränkt. Wer auf VW Connect, We Connect, We Connect ID oder verwandte Dienste angewiesen ist, könnte betroffen sein.
Mehrere Nutzer wiesen auf einen offensichtlichen Widerspruch hin, denn Volkswagens Software unterstützt weiterhin ältere Android-Versionen, die keine Sicherheitsupdates mehr erhalten. GrapheneOS-Installationen lehnt sie hingegen ab.
Ein betroffener Nutzer mit dem Namen Aaron94 berichtete, die VW-App habe nach einem Logout aufgehört zu funktionieren.
Trotz aktivierter Kompatibilitätseinstellungen und zahlreicher Workarounds gelang es ihm nicht, sich erneut anzumelden.
Ein Nutzer namens XavDub schilderte vergleichbare Probleme. „Erstes Anzeichen war, dass die Synchronisierung in der App nicht mehr funktionierte. Also habe ich mich ausgeloggt, um mich neu einzuloggen, seitdem ist das schlicht unmöglich“, schrieb er. Ein Test auf einem Standard-Google-Pixel mit unverändertem Android verlief dagegen problemlos.
Als XavDub den deutschen Automobilhersteller kontaktierte, antwortete das Unternehmen, GrapheneOS sei „kein offizielles Volkswagen-Angebot“, und verwies ihn an seinen Betriebssystem-Anbieter.
Der Zeitpunkt lässt aufhorchen: Volkswagen hat kürzlich die APIs für den Zugang zu Fahrzeugdaten geändert.
Laut Heise hat die Änderung Drittanbieter-Tools außer Kraft gesetzt, die Fahrzeughalter für intelligentes Laden, die Einbindung von Solarenergie und Hausautomation genutzt haben.
Setzen Autohersteller auf geschlossene Betriebssysteme?
Entwickler und Fahrzeugbesitzer argumentieren, der Schritt mache Kunden abhängiger von den herstellereigenen Systemen und schränke den Zugang zu den von ihren Fahrzeugen erzeugten Daten ein.
Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob die Einschränkungen mit den Zielen der EU-Datenschutzverordnung vereinbar sind, die auf eine Verbesserung des Nutzerzugangs zu Daten vernetzter Geräte abzielt.
Kritiker sehen in der GrapheneOS-Sperre einen Beleg für einen breiteren Branchentrend: Hersteller bevorzugen geschlossene Ökosysteme gegenüber der freien Wahl der Nutzer. Wie ein Kommentator auf Hacker News anmerkte, hätte es VW kaum etwas gekostet, GrapheneOS oder die inoffizielle API nicht zu blockieren.
„Das hätte keinerlei negative Auswirkungen auf den Durchschnittsnutzer gehabt, aber es hätte bei Power-Usern für viel Rückenwind gesorgt und VW von anderen Marken abgehoben.“
„Ganz zu schweigen davon, dass es sich in erster Linie um die Daten der NUTZER handelt“, fügte er hinzu.
Ein weiterer Nutzer im Forum, This_User, führte den Schritt auf einen nationalen Compliance-Reflex zurück.
„Deutsche Unternehmen, gerade alteingesessene Industriekonzerne wie VW, tun sich sehr schwer damit, offene Plattformen zu begreifen. Sie betrachten alles zuerst durch die Brille von Haftung und Compliance.“
This_User, Hacker News
Ein heißer Sommer für Datenschutz-Nutzer
Für GrapheneOS-Nutzer entwickelt sich dieser Sommer zum Spießrutenlauf. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der Altersverifikationsanbieter Yoti, der unter anderem von Sony, Facebook und TikTok eingesetzt wird, GrapheneOS-Nutzer bei Verifizierungsprozessen offenbar als verdächtig eingestuft hatte, was in Datenschutz-Communities für erheblichen Aufruhr sorgte.
Man könnte die Beschwerden einzelner Halter zwar leicht abtun und theoretisch ließe sich die App über Google Play im Fahrzeug nutzen, sofern das Auto Android Automotive unterstützt und Play Store Apps zulässt.
Doch genau das wollen die Betroffenen nicht und ihre Stimmen werden lauter, je mehr sie in andere Foren überschwappen.
Aus ihrer Sicht hat VW das Schloss ausgetauscht, und der alte Schlüssel passt nicht mehr, obwohl sie ihrerseits alles getan haben, um sicherzustellen, dass er weiterhin funktioniert.
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Cybernews hat Volkswagen um eine Stellungnahme gebeten.
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