Undercover-Recherche bei der AfD enttarnt KI-Plattform für homophobe und fremdenfeindliche Hetze
Warnung: Dieser Artikel behandelt fremdenfeindliche und homophobe Inhalte.

Infectious AI ideologies. Image by Cybernews.
- Correctiv hat die AfD-Plattform Alternita aufgedeckt, die ChatGPT, Gemini und Claude nutzt, um politische Beiträge für soziale Medien zu generieren.
- Verdeckte Tests ergaben, dass das Tool migrationsfeindliche, rassistische und Anti-LGBTQ-Beiträge erstellt, darunter Aufrufe zur zwangsweisen Remigration.
- Das System soll Materialien aus Neonazi-Quellen genutzt und daraus neue Inhalte generiert haben, ohne diese zu blockieren, was erhebliche Bedenken aufwirft.
- Nicht gekennzeichnete KI-generierte Wahlkampfinhalte könnten Wählerinnen und Wähler täuschen, besonders im Hinblick auf die AfD als stärkste Kraft bei den bevorstehenden Landtagswahlen.
Zentrale Fakten von nexos.ai, verifiziert durch die Cybernews-Redaktion.
Die neue KI-Plattform Alternita der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) ist im Rahmen einer verdeckten Recherche aufgeflogen. Das System soll homophobe und rassistische Propaganda verbreiten, um die Positionen der Partei in den sozialen Medien zu stärken.
Die Recherche stammt von Correctiv, laut Eigendefinition einem gemeinwohlorientierten Medienhaus für investigativen Journalismus. Die Reporterinnen und Reporter gaben sich als AfD-Mitglieder aus, um Zugang zur Plattform zu erhalten.
Die AfD zählt derzeit zu den stärksten Parteien in den Wahlumfragen. Als Basis nutzt Alternita gängige KI-Modelle wie ChatGPT von OpenAI, Google Gemini und Anthropic Claude.
Laut Correctiv bindet die Plattform führende kommerzielle KI-Modelle ein, statt auf ein eigenes Modell zu setzen. Sie produziere „Posts, Pressemitteilungen, Grafiken, in Minuten, im Stil der Partei. Nachrichten, aus denen man Propagandamaterial erstellen will, muss man nicht einmal selbst suchen: Das Programm schlägt sie vor“.
Vermarktet wird die Plattform als Werkzeug, mit dem Parteimitglieder schnell Wahlkampfinhalte erstellen und dabei eine einheitliche Linie vertreten können.
Bei der Recherche stieß Correctiv auf KI-generierte Beiträge, die nach dem Hochladen eines Artikels „sofortige und umfassende Remigration“ forderten. Die verdeckten Reporterinnen und Reporter hatten die KI dazu gebracht, auf Basis eines Zeitungsartikels mit Migrationsbezug zunehmend provokativere Formulierungen zu produzieren.
Um das System zu testen, luden Reporterinnen und Reporter außerdem Inhalte einer Neonazi-Publikation hoch. Das Programm soll das Material anstandslos akzeptiert und daraus neue Beiträge generiert haben, ohne die Quelle zu blockieren.
Bei weiteren Recherchen stieß die Cybernews-Redaktion durch Hinweise der Irish Times auf KI-Inhalte auf dem X-Kanal des fiktiven „Remigrationsministers" Karl Ranseier. Eines der KI-Videos zeigt, wie Migranten per Flugzeug abgeschoben werden, während KI-generierte Menschengruppen im Takt von Ravemusik „send them back“ („schickt sie zurück“) rufen.
People across Europe have had enough of politicians who govern against them. “Send them back” is now echoing across the continent — and Keir Starmer will be only the first domino to fall.
undefined Bundesremigrationsminister Karl Ranseier (@Ranseier_Karl_) June 22, 2026
Music: Continental Pulse - Send them back pic.twitter.com/kda7U6aVkn
Die Plattform generierte zudem Anti-LGBTQ-Botschaften, die ebenfalls von KI-Bildern begleitet wurden. Einer der Beiträge warnte vor einer „Regenbogendiktatur“ und wurde automatisch mit einem KI-generierten Bild einer brennenden Regenbogenfahne kombiniert.
Die Recherche legt nahe, dass KI-generierte Inhalte bei der Veröffentlichung nur teilweise gekennzeichnet werden. Politische Botschaften haben ein Transparenzproblem, wenn Wählerinnen und Wähler KI-Inhalte nicht von menschlich erstellten Beiträgen unterscheiden können.
Einer der von Correctiv testweise erzeugten Beiträge forderte in einer scharfen Tirade gegen Einwanderung „den sofortigen Einbürgerungsstopp ... um ethnische Wählerblöcke zu verhindern und unsere Heimat zu schützen“.
Die rechtsextreme Partei ist die stärkste Oppositionspartei in Deutschland. Aktuellen Umfragen zufolge stellt sie die stärkste Kraft bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September.