Berliner TikTok-Personal streikt gegen geplanten Stellenabbau durch KI

TikTok-Mitarbeiter in Berlin streiken, um gegen den Abbau von 150 Stellen zu protestieren. Der Tech-Gigant hatte angekündigt, Spezialisten aus der Abteilung Trust and Safety durch künstliche Intelligenz (KI) ersetzen zu wollen.
Die Beschäftigten von TikTok Deutschland stehen vor einem Problem. Der Social-Media-Riese plant, Spezialisten aus der Abteilung Trust and Safety durch KI zu ersetzen. Konkret handelt es sich dabei um Moderatoren und Mitarbeiter aus dem Live-Bereich, also Personal, das aktiv für die Sicherheit der Nutzer sorgt.
Wie viele große Unternehmen will auch TikTok seine Abteilungen verkleinern, um Kosten zu sparen. Prozesse wie die Inhaltsmoderation sollen daher automatisiert werden.
Hinter den Kulissen prüfen Content-Moderatoren riesige Mengen an Inhalten, um problematische Posts und Nutzer zu identifizieren und zu entfernen.
Content-Moderatoren sind ein unverzichtbarer Bestandteil von sozialen Netzwerken wie TikTok. Sie stellen sicher, dass die Gesetze und Vorschriften eingehalten werden, die den Betrieb der Plattform überhaupt erst ermöglichen.
In der Europäischen Union gilt seit 2022 der Digital Services Act (DSA). Die EU-weiten Regeln sollen einen sichereren und transparenteren Online-Raum schaffen.
TikTok plant trotzdem, Content-Spezialisten durch KI-Systeme aus China zu ersetzen, deren Zuverlässigkeit bisher nicht nachgewiesen wurde.
Die Gewerkschaft ver.di mit Sitz in Berlin hat enthüllt, dass TikTok rund 150 Mitarbeiter in seiner deutschen Niederlassung streichen will. Dieser Schritt gefährdet nicht nur die Nutzer des Netzwerks, sondern auch den Aufenthaltsstatus der betroffenen Mitarbeiter:innen.
"Was als technischer Fortschritt verkauft wird, ist für die Beschäftigten ein doppelter Schlag: Sie haben die KI selbst trainiert – jetzt sollen sie ersetzt werden", so ver.di.
Die Belegschaft trat am 23. Juli 2025 in den Streik, um gegen den Stellenabbau zu protestieren.
Obwohl ver.di Kontakt zu TikTok aufgenommen hat, ignoriert der Social-Media-Gigant die Anfragen der Gewerkschaft offenbar.
Die Gewerkschaft versucht weiter, mit TikTok zu verhandeln. Die betroffenen Mitarbeiter:innen fordern drei Jahre Abfindung und eine verlängerte Kündigungsfrist, falls die KI-Pläne umgesetzt werden.
Nicht nur TikTok ersetzt Personal durch KI
TikTok ist nicht das einzige Unternehmen, das sein Personal der KI opfert. Zahlreiche Unternehmen versuchen aktuell, menschliche Arbeitskräfte durch KI zu ersetzen, nicht immer mit Erfolg.
Duolingo, die weltweit beliebteste Sprachlernplattform, geriet unter Beschuss, nachdem der CEO Pläne enthüllte, ein "KI-First-Unternehmen" werden zu wollen.
Im Rahmen dieser Ankündigung erklärte Duolingos CEO auch, dass das Unternehmen schrittweise externe Mitarbeiter abbauen werde.
Durch die Fokussierung auf KI plant Duolingo "konstruktive Einschränkungen", darunter den schrittweisen Abbau von Freiberuflern, "deren Arbeit eine KI übernehmen kann".
Zugleich sollen interne Abläufe wie die Leistungsbeurteilungen der Duolingo-Mitarbeiter durch KI übernommen werden.
Unternehmen wie Klarna und Zoom gehen sogar noch weiter: Sie testeten KI-Versionen ihrer CEOs für ihre Quartalsberichte, ein deutliches Statement zur Zukunft beider Firmen.
Das Fintech-Unternehmen Klarna bekannte sich offen dazu, ein "KI-First-Unternehmen" zu sein. Zwischenzeitlich hatte Klarna rund 700 Mitarbeiter durch KI ersetzt.
Nach dem radikalen Schwenk musste Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski jedoch einräumen, dass die Maßnahme zu "schlechterer Qualität" im Kundenservice geführt habe. Das Unternehmen sucht seitdem wieder nach menschlichen Arbeitskräften im Kundenservice, plane aber grundsätzlich, weitere Stellen abzubauen, berichtete Business Insider.