Polizei sprengt Netzwerk für Mikro-Kreditkartenbetrug, Schaden: 300 Mio. EUR

Das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz haben im Rahmen der Operation „Chargeback“ ein globales Kreditkartenbetrugs-System mit Millionen von Betroffenen aufgedeckt.
Nach dreijährigen Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Betrüger schlugen internationale Behörden gleichzeitig zu: Über 60 Durchsuchungen und 18 Festnahmen, teilte das BKA mit.
Laut der Ermittler reichten die Kontakte des Betrugsnetzwerks in alle Welt. Insgesamt seien 4,3 Millionen Menschen in 193 Ländern betroffen. Der finanzielle Schaden übersteigt 300 Millionen Euro. Die Bande versuchte sogar 750 Millionen Euro abzubuchen. In manchen Fällen scheiterten sie, beispielsweise aufgrund falscher oder veralteter Kartendaten.
„Die Betreiber der Netzwerke sollen zwischen 2016 und 2021 die Kreditkartendaten genutzt haben, um mehr als 19 Millionen fingierte Online-Abonnements über professionell betriebene Schein-Webseiten abzuschließen – insbesondere zu Streaming-, Dating- und Unterhaltungsangeboten."
sagte das BKA.
Die Operation wurde von der Abteilung für Cyberkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und dem Bundeskriminalamt (BKA) geleitet, mit Unterstützung von Europol, Eurojust und der Polizei in mehreren anderen Staaten.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen 44 Verdächtige aus Deutschland und anderen Ländern. Sie sollen vier große deutsche Zahlungsdienstleister manipuliert haben. Die Spanne der Beschuldigungen umfasst Vermittlertätigkeiten, Crime-as-a-Service-Dienstleistungen und Risikomanagement. Laut Europol sicherten die Ermittler Vermögenswerte in Höhe von 35 Millionen Euro.
Gemeinsam hätten die Beschuldigten illegale Transaktionen in großem Stil über Online-Zahlungsdienstleister abgewickelt. Unter den Verdächtigen befinden sich auch Führungskräfte und Compliance-Beauftragte. Ihnen wird vorgeworfen, mit dem Betrugsnetzwerk kollaboriert und gegen Gebühren Zugang gewährt zu haben.
Aktuelle Mitarbeiter der Unternehmen befänden sich nach bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht unter den Verdächtigen.
Die Betrüger bauten sich eine verlässliche Geldquelle auf. Statt Konten auf einen Schlag leerzuräumen, buchten sie über Fake-Abos regelmäßig kleine Summen ab, unauffällig, aber hochprofitabel.
„Zwischen 2016 und 2021 nutzten die Verdächtigen mutmaßlich gestohlene Kreditkartendaten für rund 19 Millionen Fake-Abos auf professionell betriebenen Websites – hauptsächlich Pornografie-, Dating- und Streaming-Dienste. Die Seiten waren so konzipiert, dass Suchmaschinen sie nicht indexieren konnten – erreichbar nur über Direktlinks", erklärte Europol.
Die Beträge hielten die Beschuldigten dabei bewusst unter 50 Euro, um Karteninhaber nicht zu alarmieren. Zudem wurden die Zahlungsbeschreibungen bewusst verschleiert, was die Identifizierung der Transaktionen für die Betroffenen erschwerte.
„Um ihre Aktivitäten zu verschleiern, nutzten die Verdächtigen zahlreiche Briefkastenfirmen, registriert hauptsächlich in Großbritannien und Zypern. Diese Firmen dienten dazu, die betrügerischen Transaktionen zu verteilen und das Risiko von Rückbuchungen und Entdeckung zu minimieren", so Europol.
Die Strafverfolgungsbehörden schlugen am 4. November zu, nachdem koordinierte Maßnahmen in mehreren Ländern eingeleitet wurden, darunter Deutschland, USA, Kanada, Singapur, Luxemburg, Zypern, Spanien, Italien und die Niederlande.
„Durch die Nutzung unserer analytischen Fähigkeiten und die Förderung grenzüberschreitender Koordination konnten wir Netzwerke zerschlagen, die Millionen von Kreditkartennutzern weltweit betrogen haben", sagte Catherine De Bolle, Direktorin von Europol.
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