Deutscher Raketenstart in Norwegen gibt neuen Schub für Europas Raumfahrt


Das deutsche Startup Isar Aerospace will mit seinem Raketenstart in Norwegen in den Orbit und fördert damit Europas Unabhängigkeit bei der Raumfahrt.

„Wir revolutionieren die Raumfahrtindustrie", lautet der Slogan auf der offiziellen Seite des Unternehmens. Der Start für Isar Aerospace ist bereits seit 2018 in Planung.

Spätestens mit Musks Drohung, Starlink aus der Ukraine abzuziehen, wurde Europa schmerzhaft an die Abhängigkeit von den USA erinnert. Langfristig braucht Europa mehr eigene Kontrolle über den Zugang zum Orbit, besonders für Verteidigungs- und Erdbeobachtungssatelliten.

ADVERTISEMENT

Ein erfolgreicher Start wäre ein symbolischer und praktischer Schritt in Richtung einer europäischen Weltraum-Autonomie.

Der Orbit rückt näher

Aktuell verschifft Europa die meisten seiner Satelliten über 6.000 km weit nach Französisch-Guayana zum ESA-Weltraumbahnhof Kourou. Der Standort ist optimal für den Start in Umlaufbahnen über dem Äquator, aber er ist weit entfernt und die Logistik ist komplex.

Im Jahr 2025 wurden weltweit 324 Orbitalstarts durchgeführt, nur acht davon aus europäischer Hand. Im Vergleich liegen die USA mit 193 Starts weit vorne, danach folgt China mit 93 und selbst Russland startete 17 Mal ins All.

Norwegens Andøya-Weltraumbahnhof will das ändern, gemeinsam mit Schwedens Esrange und Schottlands SaxaVord. Der Fokus liegt auf Raketenstarts in nördlichen Breitengraden, ideal für polare und sonnensynchrone Orbits. Andøya ist momentan der Standort in Europa, der einem „aktiven“ orbitalen Weltraumbahnhof am nächsten kommt.

Dort finden bereits echte Versuchsstarts statt. Praktisch gesehen liegt Andøya damit sowohl bei Infrastruktur als auch Betrieb vorne. Für Isar Aerospace wird es der zweite Anlauf, der erste Flug im März 2025 endete mit dem Absturz der Rakete ins Meer.

Raketenstart am Tag
Bild: VCG über Getty Images

Esrange in Schweden und SaxaVord auf den Shetland-Inseln sind aber weiterhin im Rennen. Esrange hat langjährige Erfahrung und die benötigten Einrichtungen. Starts in den Orbit sind jedoch auch abhängig von Partnern und deren Zeitplanung, das muss sich erst noch einspielen.

ADVERTISEMENT

SaxaVord hat große strategische Vorteile und die Unterstützung Großbritanniens, die Gegebenheiten vor Ort machen den Betrieb aber nicht weniger kompliziert. Das Scheitern von Virgin Orbit im Januar 2023 erinnert daran, dass ein Startplatz nicht automatisch bedeutet, dass es tatsächlich einen Bedarf gibt.

Unterdessen beharrt Isar Aerospace darauf, beim Absturz von 2025 viele wertvolle Daten gesammelt zu haben. Und tatsächlich, viele Erstflüge enden zunächst im Wasser, siehe Rocket Lab oder SpaceX.

Wenn der Versuch gelänge, wäre das mehr als nur ein symbolischer Sieg für Europa. Es wäre ein starkes Signal für privatwirtschaftliche Innovation auf dem Kontinent, die erwiesenermaßen den amerikanischen Weltraumboom der vergangenen 20 Jahre wesentlich vorantreibt.

Hype trifft auf Schwerkraft

Viktor Shpakovsky, Space-Tech-Investor bei Beyond Earth Ventures (USA), zollt dem deutschen Projekt Respekt:

„Isar Aerospace macht seine Sache gut und zeigt, wie sich die Raumfahrtindustrie entwickelt. Der Weltraum wird zunehmend privater."

Shpakovsky sieht in der Beständigkeit den Schlüssel zum Erfolg: „Wenn Isar regelmäßig und im großen Maßstab starten kann, wird es Europas befähigen, unabhängig im Weltraum zu agieren, das ist besonders interessant für den Start kleiner Satelliten."

Weiterhin wies Shpakovsky auf den Erfolg kommerzieller Raumstarts in Indien hin, hauptsächlich dank klarer und beständiger Unterstützung der dortigen Regierung.

Seiner Ansicht nach wäre es sicher aufregend, wenn Isars Spectrum-Rakete den Orbit erreicht, ein fertiges Produkt benötigt jedoch noch weitere Schritte: „Europäische Launch-Startups stehen noch am Anfang ihrer Reise". Wichtig wird sein, welche Einflüsse ins Spiel kommen. Sich ausschließlich auf das Beispiel der Marktführer zu fokussieren genüge nicht.

„Das Ziel sollte nicht sein, SpaceX zu kopieren", sagte Shpakovsky. „Europa braucht ein eigenes Modell, mit Fokus auf Zuverlässigkeit, Sicherheit und die spezifischen Bedürfnisse seiner Missionen."

ADVERTISEMENT
jurgita justinasv Izabelė Pukėnaitė vilius Ernestas Naprys Gintaras Radauskas
Lies unsere neuesten Artikel bei Google News. Füge uns zu deinen Quellen hinzu

Entdecke mehr exklusive Cybernews-Reportagen bei YouTube.