Deutscher Trainer Tonda Eckert im Zentrum des Spionage-Skandals beim Southampton FC
Tonda Eckerts Southampton FC wurde endgültig von den Championship-Playoffs ausgeschlossen. Der Verein musste zugeben, seinen Halbfinalgegner Middlesbrough ausspioniert zu haben. Die britische Presse taufte den Skandal „Spygate“.

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Tonda Eckerts Southampton FC wurde endgültig von den Championship-Playoffs ausgeschlossen. Der Verein musste zugeben, seinen Halbfinalgegner Middlesbrough ausspioniert zu haben. Die britische Presse taufte den Skandal „Spygate“.
- Southampton FC nach abgelehnter Berufung aus den Playoffs ausgeschlossen. Der Klub wurde endgültig aus den Championship-Playoffs geworfen und durch Middlesbrough ersetzt, ein Team, das Southampton zuvor selbst besiegt hatte.
- Echte Spione nutzen Drohnen und hacken WLAN, keine Bäume. Sicherheitsexperten zufolge würden Profis unverschlüsselte WLANs abfangen, Drohnen einsetzen oder soziale Netzwerke auswerten und nie persönlich vor Ort erscheinen. Klubs bräuchten verschlüsselte Kommunikation und Netzwerksicherheit, keine höheren Zäune.
- Dilettantische Spionage durch digitale Beweise aufgeflogen. Der Praktikant wurde durch Überwachungskameras, Kreditkartentransaktionen, ein Profilbild auf der Vereinswebsite und versuchtes Löschen von Handydaten überführt. Selbst physische Spionage hinterlässt stets digitale Spuren.
Sicherheitsexperten bezeichnen die angewandten Spionagemethoden zwar als „amateurhaft“, doch der Fall mache deutlich, dass Spitzenvereine ihre wertvollen Spielstrategien und Taktiken besser schützen müssten.
Dass große Technologiekonzerne bei hohem Einsatz zu drastischen Mitteln greifen, ist hinlänglich bekannt, und offenbar macht der Fußball da keine Ausnahme. Ein ethischer Hacker, der gegenüber Cybernews anonym blieb, bestätigte, diese Art von Spionage sei „im Sport weit verbreitet“.
Das Championship-Playoff-Finale gilt oft als „wertvollstes Spiel im Fußball“: Ein Aufstieg in die Premier League bringt selbst für nur eine Saison geschätzte 200 Millionen Pfund durch TV-Einnahmen, Sponsoring und sonstige Verträge.
Für Southampton war der Druck besonders groß: Der Klub war erst kürzlich aus der Premier League abgestiegen und eine weitere Saison in der Championship hätte Gehaltskürzungen und Spielerverkäufe nach sich ziehen können.
Spion hinter der Kiefer: Die Southampton-Affäre
Dieser Druck könnte Southampton zu einem verhängnisvollen Entschluss verleitet haben: Der Klub schickte einen Praktikanten aus der Leistungsanalyse nach Middlesbrough, um die Trainingseinheit des Gegners zu filmen, weniger als 72 Stunden vor dem angesetzten Duell der beiden Teams. Im englischen Fußball ist das innerhalb dieses Zeitraums ausdrücklich verboten.
Letzten Mittwoch veröffentlichten mehrere Medien Fotos von Will Salt: Der Praktikant war halb hinter einer Kiefer versteckt zu sehen, Mobiltelefon in der Hand und kabellose Kopfhörer im Ohr. Offenbar übertrug er das Training live.
Mitarbeiter von Middlesbrough sollen Salt kurz darauf angesprochen haben. Was dann folgte, klingt weniger nach nervenaufreibender Spionage als nach einer Filmkomödie.
Berichten zufolge löschte Salt hastig Inhalte von seinem Handy und flüchtete anschließend zu einem nahegelegenen Golfclub, wo er sich auf der Toilette seiner „Verkleidung“ entledigte.
Bereits zuvor hatte ihn Middlesbroughs Vereinsfotograf ins Visier genommen und Salt anhand seines Profilfotos auf der Southampton-Website identifiziert.
Vollends aufgeflogen ist Salt durch Überwachungskameraaufnahmen und Kreditkartenabrechnungen, die den Southampton-Mitarbeiter eindeutig im Golfclub des Gegners platzierten.
Überwachungsexperten rüffeln stümperhaftes Vorgehen
Rob Shapland, Physical-Hacker beim Sicherheitsunternehmen Cyonic und selbst regelmäßig mit verdeckter Überwachung betraut, kritisiert das Vorgehen scharf: Der entscheidende Fehler sei gewesen, dass der Spion sichtbar war.
„Wer offen mit dem Handy filmt, erregt Aufmerksamkeit und kann leicht identifiziert und zum Verein zurückverfolgt werden.“
„Bei Weitem die beste Methode ist, so natürlich wie möglich aufzutreten, sodass man in der Umgebung aufgeht und sich so verhält, wie es dort normal ist“, erklärt er.
„Wer sich hinter einem Baum versteckt und nervös herumschleicht, macht sich sofort verdächtig. Er wäre weit besser beraten gewesen, sich einfach hinzusetzen und so zu tun, als führe er ein Videogespräch oder scrolle auf dem Handy, während er aufzeichnet. Oder er hätte beim Vorbeigehen mit einer am Körper getragenen Kamera filmen können.“Rob Shapland, Physical Pentester, Cyonic.
„Angesichts der Konsequenzen ist es kaum zu fassen, dass das Ganze so stümperhaft und offensichtlich ablief“, fügt Shapland hinzu.
Dray Agha, Senior Manager für Sicherheitsoperationen beim Cybersicherheitsunternehmen Huntress, bezeichnet die Entscheidung, einen Mitarbeiter zur physischen Beobachtung des Trainings zu schicken, als „riskanten Dilettantismus“.
Er ergänzt: „Echte Überwachungsprofis kämen dem Trainingsplatz gar nicht erst nahe, sie arbeiten ausschließlich aus der Ferne.“
„Ein Profi würde unauffällige Drohnen einsetzen, das unverschlüsselte WLAN des Trainingsgeländes abhören oder einfach aus den Social-Media-Beiträgen von Spielern, Staff und lokalen Fans den Spielplan des Gegners rekonstruieren, ohne je gesehen zu werden.“Dray Agha, Senior Manager für Sicherheitsoperationen, Huntress.
Auch der frühere Polizeidetektiv Calum Baird, Spezialist für digitale Forensik und Cyberkriminalität, ist überzeugt, dass OSINT-Recherchen, also das systematische Auswerten öffentlich zugänglicher Online-Informationen, für Spione ergiebiger sein können als das Herumschleichen auf Trainingsgeländen.
„Das Problem mit Beiträgen in öffentlichen Online-Foren ist, dass dort kein Anspruch auf Privatsphäre besteht und Klubs wie Spieler dadurch für OSINT-Recherchen angreifbar werden“, warnt er.
Southampton: Strafe „zu hart“?
Nach Bekanntwerden der Spionagevorwürfe reichte Middlesbrough eine Beschwerde bei der EFL ein. Southampton wurde angeklagt und der Fall an eine unabhängige Disziplinarkommission übergeben.
Am Dienstag befand die Kommission den Klub in mehreren Punkten im Zusammenhang mit der Ausspähung gegnerischer Trainingseinheiten für schuldig.
Berichten zufolge räumte der Verein unerlaubte Beobachtungen nicht nur bei Middlesbrough, sondern auch bei Oxford United und Ipswich Town ein.
Southampton-Trainer Tonda Eckert, der den Großteil seiner Trainerkarriere in Deutschland verbracht hat, unter anderem bei RB Leipzig und Bayern München, verteidigte das Vorgehen seines Klubs. Er sei sich nicht bewusst gewesen, dass ein solches Verhalten in England gegen die Regeln verstoße, da es im europäischen Fußball weit verbreitet sei.
Angesichts der wenig subtilen Methoden von Southamptons Hobby-Spion erscheint diese Verteidigung durchaus nachvollziehbar.
Das verhängte Strafmaß wird in Fußballkreisen vielfach als „zu hart“ empfunden.
Southampton wurde vom hochkarätigen Playoff-Finale ausgeschlossen, das diesen Samstag gegen Hull City stattfinden sollte. Anstelle des Vereins tritt nun Middlesbrough an, ausgerechnet der Klub, den Southampton zuvor besiegt hatte. Am Mittwoch scheiterte der Verein mit seinem Einspruch gegen diese Entscheidung.
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Shapland zufolge sei es für Klubs schwer, sich gegen professionelle Aufklärung zu wappnen, „außer indem das Trainingsgelände so angelegt wird, dass es von außen nicht einsehbar ist: durch Mauern oder einen Sicherheitsperimeter“.
Dennoch zeigt er sich überzeugt, dass die Sanktionen gegen Southampton eine ausreichend abschreckende Wirkung entfalten könnten, um andere Klubs von ähnlichen Aktionen abzuhalten.
Agha appelliert derweil an Millionenklubs, auch außerhalb der Premier League, ihre Taktiken ebenso zu schützen wie ein Technologieunternehmen seine Betriebsgeheimnisse.
„Moderne Spionage abzuwehren bedeutet, die digitalen Grenzen zu sichern, nicht nur die physischen Tore. Dazu gehört, das Gelände regelmäßig auf Drohnen zu scannen, sicherzustellen, dass Trainer ausschließlich verschlüsselte Messaging-Apps nutzen, und das WLAN des Trainingsgeländes abzusichern.“Dray Agha, Senior Manager für Sicherheitsoperationen, Huntress.
„Man kann riesige Zäune rund ums Spielfeld errichten, aber wenn die digitale Sicherheit lückenhaft ist, ist der Gegner längst drin“, fügt er hinzu.
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