Hamburger Datenschutzbeauftragter hält Verbot von Metas Smart Glasses in Deutschland für möglich
Wäre auch ein EU-weites Verbot denkbar?

Mark Zuckerberg by Getty/Bloomberg.
- Europäische Datenschutzbehörden untersuchen Smart Glasses, weil sie befürchten, dass die Brillen heimliches Filmen ohne Zustimmung ermöglichen.
- Deutschland, Frankreich und die Niederlande äußern Bedenken, ob Menschen überhaupt erkennen können, wann Smart Glasses filmen.
- Ein Bericht des Europäischen Datenschutzausschusses zu den Risiken von Smart Glasses wird bis Ende des Sommers erwartet.
- Die Debatte ist relevant, weil bereits Millionen Geräte im Umlauf sind und damit weitreichende Risiken für Privatsphäre und Datenschutz entstehen.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Europäische Datenschutzbehörden prüfen derzeit die Risiken von Smart Glasses, während die Kontroverse um die Technologie weiter wächst.
Meta Smart Glasses und Smart Glasses allgemein werden derzeit von Datenschutzbehörden in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersucht. Behördenvertreter stellen die Rechtmäßigkeit dieser Geräte infrage.
Thomas Fuchs, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, warnte im Interview mit ARD, dass Smart Glasses im Grunde getarnte Kameras seien, die nach deutschem Recht möglicherweise verboten werden könnten.
Metas Hauptsitz in Deutschland befindet sich in Hamburg.
Im deutschen Datenschutzrecht heißt es, dass es verboten ist, „Telekommunikationsanlagen zu besitzen, herzustellen, auf dem Markt bereitzustellen, einzuführen oder sonst in den Geltungsbereich dieses Gesetzes zu verbringen, die ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vortäuschen oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet sind“.
Kameras dürfen demnach nicht versteckt oder als Alltagsgegenstand getarnt sein, da sie sonst dazu genutzt werden könnten, private Gespräche mitzuhören oder Menschen ohne deren Zustimmung zu filmen.
Der Europäische Datenschutzausschuss untersucht derzeit die Risiken von Smart Glasses. Ein entsprechender Bericht soll laut Euractiv bis Ende des Sommers veröffentlicht werden.
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Deutschlands Datenschutzbehörde ist nicht die erste Instanz, die Alarm wegen Smart Glasses schlägt.
Frankreichs Datenschutzbehörde äußerte ähnliche Bedenken und erklärte, dass es bei Smart Glasses im Gegensatz zu Smartphones deutlich schwerer sei zu erkennen, ob man ohne sein Wissen gefilmt werde.
Niederländische Datenschutzgruppen teilen dieselbe Sorge: Die nahezu unsichtbar integrierte Kamera ermögliche es, Menschen ohne deren Zustimmung aufzunehmen, berichtet das niederländische Medium NOS.
Die von Mark Zuckerbergs Tech-Konzern Meta populär gemachten Geräte stehen massiv in der Kritik. Viele bezeichnen sie inzwischen als „Stalker-Brillen“.
Manche Nutzer haben sogar berichtet, ihre Meta Smart Glasses nicht mehr zu nutzen, aus Angst, als pervers abgestempelt zu werden.
Im vergangenen Jahr wurden 7 Millionen Smart Glasses von Meta verkauft. Die rasant verbreitete Technologie wurde dabei auch genutzt, um Frauen heimlich zu filmen, was erhebliche Bedenken hinsichtlich Privatsphäre und Datenschutz aufwirft.
Zudem sollen die von Metas Smart Glasses aufgenommenen Videoaufnahmen an Vertragspartner in Nairobi, Kenia, weitergeleitet worden sein, um dort geprüft und beschriftet zu werden, bevor sie zum Training von Metas KI-Modellen verwendet wurden.
Die Vertragspartner sollen dabei stundenlang mit hochsensiblen, intimen Inhalten konfrontiert worden sein, darunter die Übertragung persönlicher Informationen wie Bankdaten sowie Aufnahmen von Menschen auf der Toilette, beim Ausziehen und bei sexuellen Handlungen, berichtet Svenska Dagbladet.