Deutschland prüft Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige: Medienkompetenz kann nicht Schritt halten


Die CDU erwägt, den Zugang zu Social-Media-Plattformen für Kinder unter 16 Jahren zu beschränken, sagen hochrangige Parteimitglieder, während Initiativen zu strengerer Regulierung weltweit an Fahrt gewinnen.

Seit Australien letztes Jahr als erstes Land die Nutzung von Social-Media-Plattformen für Kinder verboten hat, gehen auch in Europa zunehmend mehr Länder ähnliche Schritte. Grund dafür sind Sorgen über die negativen Auswirkungen der Social-Media-Nutzung auf junge Menschen.

Der Chef des einflussreichen Arbeitnehmerflügels der CDU, Dennis Radtke, sagte, die „dynamischen Entwicklungen in den sozialen Medien“ würden die Medienkompetenz überholen.

ADVERTISEMENT

„Soziale Medien sind vielerorts eine Ansammlung von Hass und Falschmeldungen. Ich begrüße daher die Idee, dem Beispiel Australiens zu folgen und eine Altersgrenze einzuführen“, sagte er gegenüber Reuters.

Dennis_Radtke
Dennis Radtke (CDU, EVP-Fraktion) sitzt im Gebäude des Europäischen Parlaments und schaut auf sein Handy. (Foto von Philipp von Ditfurth/picture alliance via Getty Images)

CDU will Social-Media-Mindestalter auf Parteitag diskutieren

Die Bild berichtete, der CDU-Landesverband Schleswig-Holstein habe einen Antrag für den bevorstehenden Bundesparteitag vom 20. bis 21. Februar eingereicht. Die CDU ist die aktuell stärkste Partei in Deutschlands aktueller Regierungskoalition.

„Ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für offene Plattformen, verbunden mit einer verpflichtenden Altersverifikation, setzt eine klare Schutzgrenze und berücksichtigt die besonderen Entwicklungsbedürfnisse von Jugendlichen“, zitierte Bild aus dem Antrag.

Auf welche Plattformen Beschränkungen zutreffen könnten wurde nicht näher erläutert, aber laut dem Bericht nannte der Antrag TikTok sowie Metas Netzwerke, Instagram und Facebook.

Die Bild zitierte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann mit den Worten, er unterstütze die strikte Altersbeschränkung.

carsten Linnemann
Carsten Linnemann (CDU) spricht im Bundestag. Foto von Michael Kappeler/picture alliance via Getty Images.
ADVERTISEMENT

„Ich bin für soziale Medien ab 16 Jahren“, sagte er der Zeitung.

„Kinder haben ein Recht auf Kindheit. Wir müssen Kinder auch in der digitalen Welt vor Hass, Gewalt, Kriminalität und manipulativer Desinformation schützen. In sozialen Netzwerken sind sie Inhalten ausgesetzt, die sie nicht einordnen und verarbeiten können“, sagte er.

In Deutschland gibt es zunehmend Diskussionen über mögliche negative Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder. Die Regierung setzte im vergangenen Jahr eine Sonderkommission ein, um den Schutz junger Menschen vor möglichen Schäden zu untersuchen. Die Kommission soll später in diesem Jahr Bericht erstatten.

jurgita justinasv Izabelė Pukėnaitė vilius Ernestas Naprys Gintaras Radauskas
Lies unsere neuesten Artikel bei Google News. Füge uns als Quelle hinzu

Thorsten Schmiege, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, sagte gegenüber Reuters, dass Themen wie Cybermobbing, sexuelle Belästigung im Internet und Hassrede sehr ernst genommen würden.

Social-Media-Plattformen müssten handeln, sagte er.

„Wenn freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen, kommt ein Verbot als letzter Schritt in Betracht“.


Entdecke mehr exklusive Cybernews-Reportagen bei YouTube.

ADVERTISEMENT