Hacker veröffentlichen Berlins 1,4 Millionen gestohlene Datensätze im Darknet
Bisherigen Erkenntnissen zufolge enthalten die geleakten Daten sensible Informationen zur Berliner Wasserversorgung, Kraftwerken, Kraftstoffdepots und weiterer kritischer Infrastruktur.

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- Rhysida hat 1,44 Millionen gestohlene Berliner Regierungsdateien veröffentlicht, nachdem die Stadt die Zahlung eines Lösegelds verweigerte.
- Behörden prüfen, ob die gestohlenen Daten kritische Einrichtungen oder sensible Regierungsstellen gefährden könnten.
- Sicherheitsforscher fanden Informationen zu Wasserversorgung, Strominfrastruktur, Gefängnissen, Rüstungsunternehmen und Personalakten.
- Berlin beauftragte CrowdStrike mit der Systemprüfung, doch der Bezirk Lichtenberg verweigert den Zugang aus Datenschutz- und Betriebsgründen.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Berlin hat eine koordinierte Überprüfung der fast sechs Terabyte an Daten eingeleitet, die die Rhysida-Gruppe am Freitag veröffentlicht hat, um mögliche Sicherheitsrisiken zu bewerten.
Die Ransomware-Gruppe stellte die Daten online, nachdem eine Auktion mit einem Startpreis von 30 Bitcoin am Freitag ohne Lösegeldzahlung Berlins endete. Das Paket umfasst laut dem öffentlich-rechtlichen Sender Tagesschau rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Gesamtvolumen von 5,79 Terabyte.
Der Senat erklärte am Samstag, „IT-Forensiker im Auftrag des Landes Berlin prüfen die betroffenen Systeme und die veröffentlichten Daten mit höchster Sorgfalt". Berlin hat eine zusätzliche Taskforce eingerichtet, um die geleakten Daten auszuwerten und die beiden betroffenen Senatsverwaltungen zu unterstützen.
Sollte die Prüfung ergeben, dass der Datenverlust eine kritische Einrichtung oder eine sensible Regierungsstelle gefährde, werde die betroffene Organisation unverzüglich informiert, ließ die Pressemitteilung des Landes Berlin verlauten.
Während die Behörden noch den Umfang des Lecks ermitteln, haben Sicherheitsforschende und Medien bereits Teile der Daten gesichtet.
Dem Chaos Computer Club zufolge enthält das Datenleck sensible Informationen zur Wasserversorgung Berlins sowie personenbezogene Daten von Verwaltungsmitarbeitenden, darunter Arbeitszeugnisse und Notfallpläne.
Der Tagesspiegel berichtete, er habe sicherheitsrelevante Daten zu Kraftwerken, Kraftstoffdepots, Notstromsystemen, Umspannwerken, Gefängnissen, Wasserwerken, Rüstungsunternehmen, der Bundeswehr sowie der Berliner Verwaltung gefunden.
Der Spiegel stieß bei seiner Recherche auf mehr als 550 Dateien zur Erweiterung des Bundeskanzleramts, darunter Gutachten, Baupläne und Stellungnahmen von Regierungsstellen.
„Bei dem Hackerangriff handelt es sich um eine äußerst schwere Straftat und einen Angriff auf das Land Berlin. Im Interesse der Sicherheit des Landes Berlin ist es wichtig, die verbreiteten Informationen etwa über Soziale Netzwerke sorgfältig zu prüfen und derzeit nicht überprüfbare Meldungen nicht weiter zu verbreiten", heißt es in der Pressemitteilung der Regierung.
Die Rhysida-Gruppe bekannte sich vergangene Woche zu dem Angriff und gab an, 5,79 Terabyte Daten entwendet zu haben, darunter 46.500 Verträge, E-Mails, Telefonnummern, Passwörter und vertrauliche Informationen.
Berlin erhielt eine Lösegeldforderung, lehnte die Zahlung jedoch ab. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Berlins Innensenatorin Iris Spranger erklärten: „Das Land Berlin wird sich nicht erpressen lassen."
Der Angriff ereignete sich kurz vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September, die Wahlinfrastruktur blieb jedoch unberührt.
Interne Streitigkeiten
Nach dem Cyberangriff beauftragte Berlin das US-amerikanische Unternehmen CrowdStrike damit, seine IT-Systeme mithilfe des unternehmenseigenen Falcon-Tools zu untersuchen, um festzustellen, ob Rhysida tatsächlich aus den Systemen verschwunden ist und ob etwas zurückgeblieben ist.
Doch nicht alle spielen mit. Die Untersuchung soll auch einzelne Bezirksverwaltungen umfassen, darunter Lichtenberg, das CrowdStrike den Zugang zu seinen Servern verweigert.
Dem vom rbb eingesehenen internen Schreiben zufolge befürchtet der Bezirk, die Software würde „nahezu unbegrenzten Zugriff" auf alle Daten ermöglichen, einschließlich personenbezogener Informationen und sei voraussichtlich „nie wieder zu entfernen".
Lichtenberg befürchtet zudem, Falcon könnte auf Dienstgeräte zugreifen und so sowohl die Aktivitäten auf den Rechnern der Mitarbeitenden als auch die Mitarbeitenden selbst überwachen.
„Nach entsprechenden Rückmeldungen aus anderen Bezirken führt sie zudem zu teils schweren Störungen in der Ablauffähigkeit von Fachverfahren, Diensten und Programmen und birgt ein erhebliches Risiko bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Bezirksamtes", heißt es in dem Schreiben.
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Lichtenberg gibt an, bereits ein konkurrierendes Sicherheitsprodukt einzusetzen und habe keine Hinweise darauf gefunden, dass seine Systeme kompromittiert worden seien. Der Bezirk erklärte zudem, CrowdStrike erst dann Zugang zu gewähren, wenn der Senat „die gesamte Verantwortung übernimmt", inklusive aller Kosten.
Die Senatskanzlei informierte den Bezirk Berichten zufolge am Samstag darüber, dass die Software „die einzige Option" sei und sicherte zu, die Kosten zu übernehmen sowie die Verantwortung für etwaige durch den Einsatz entstehende Schäden zu tragen.