Russlands Operation Matroschka attackiert Landtagswahl mit gefälschten Videos
Ein Puppenhaus der Lügen.

Russian matryoshka dolls containing fake news. Image by Cybernews.
- Die mit Russland in Verbindung gebrachte Operation Matrjoschka nutzt gefälschte Videos und nachgeahmte Medienmarken, um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ins Visier zu nehmen.
- Die Kampagne verbreitete erfundene Vorwürfe gegen moskaukritische Politiker, darunter Kai Wegner und den Linken-Kandidaten Eric Stehr.
- Deutsche Sicherheitskreise erklärten Reuters zufolge, die Kampagne sei zentral aus Russland gesteuert, auch wenn keine konkrete staatliche Institution bestätigt sei.
- Deutsche Behörden erklären, die Operation solle Wähler beeinflussen, und hat ein neues Zentrum zur Abwehr ausländischer Einflussnahme und Desinformation geschaffen.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Mit Russland in Verbindung gebrachte Desinformationsnetzwerke nutzen gefälschte Nachrichtenvideos, erfundene Vorwürfe und nachgeahmte Medienmarken offenbar, um die bevorstehende Landtagswahl in Deutschland zu beeinflussen.
Die als Operation Matrjoschka bekannte Kampagne zielt auf die Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt und war bereits während der Bundestagswahl 2025 in Deutschland aktiv.
Die Kampagne hat ihren Namen von der russischen Matrjoschka-Puppe, weil ihre falschen Narrative über mehrere Ebenen von Konten und Websites verbreitet werden.
Die anonyme Recherchegruppe Antibot4Navalny, die dabei geholfen habe, die auf Deutschland ausgerichtete Kampagne aufzudecken, erklärte, ein Konto veröffentliche Material, bevor andere Bots es weiterverbreiteten.
So funktioniert die Schmutzkampagne
Durch die gleiche Gestaltung wie bei Medienhäusern wie der BBC wirken gefälschte Nachrichten plausibler und fügen sich in den täglichen Feed ein, wo sie ungeprüft aufgenommen werden.
Das Material umfasst Videos, Bilder, Memes, journalistische Formate und gefälschte Titelseiten. Zu den Medienmarken, die Berichten zufolge imitiert wurden, gehören die BBC und die deutsche ARD.
Nach Angaben der Deutschen Welle richtete sich ein gefälschtes Video mit einem Mordvorwurf an einem professionellen Tennisspieler gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner. Dabei wurde ausgenutzt, dass sein Name zuvor mit Tennis in Verbindung gebracht worden war.
Wegner hatte während eines Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 tatsächlich Tennis gespielt, „um den Kopf freizubekommen“, wodurch eine Verbindung zum Tennis hergestellt war. Die Trolle konnten dies nutzen, um einen Mordvorwurf zu erfinden. Tatsächlich war kein Tennisspieler als vermisst gemeldet worden.
Der Linken-Kandidat Eric Stehr wurde fälschlicherweise beschuldigt, seine Großmutter ermordet, jemanden aus Eifersucht getötet und an geheimen Sexpartys teilgenommen zu haben.
Ich soll angeblich der Mörder eines Models gewesen sein, mit dem mein Freund oder meine Freundin mich betrogen haben soll. Beide Versionen wurden verbreitetsagte der Linken-Kandidat Eric Stehr dem ZDF.
Der Ursprung der Desinformation
Vier Quellen erklärten Reuters, die deutschen Sicherheitsdienste seien überzeugt, die Kampagne sei zentral aus Russland gesteuert.
Reuters berichtete zudem, die Operation sei angeblich über mehrere Unternehmen gelaufen und habe soziale Medien genutzt, um Videos mit den Logos angesehener Medienhäuser zu verbreiten.
Operation Matrjoschka ist jedoch nicht eindeutig mit einer konkreten russischen Regierungsinstitution in Verbindung gebracht worden. Die gefälschten Geschichten werden anschließend auf prorussischen Websites oder Plattformen wie Telegram veröffentlicht, bevor sie über große soziale Netzwerke weiterverbreitet werden.
Berichten zufolge nutzt die Kampagne Websites wie das Pravda-Netzwerk, bevor die Inhalte auf Plattformen wie X, TikTok und Bluesky verschoben werden.
Sie scheint darauf angelegt zu sein, moskaukritische Politiker zu untergraben und zugleich Parteien zu stärken, die engere Beziehungen zu Russland befürworten. Zudem gibt es zahlreiche Berichte über Trollfabriken, die für Täuschungsmanöver eingesetzt werden.
Julia Smirnova vom Berliner Centre for Monitoring, Analysis and Strategy erklärte der Deutschen Welle, die aktuelle Aktivität setze eine längerfristige russische Strategie fort, prorussische Parteien zu unterstützen und andere Kandidaten zu diskreditieren.
Diese Einflusskampagne ist generell seit September 2023 auf mehreren Plattformen aktiv. Zu den Zielen dieser Kampagne gehörten auch schon die Bundestagswahl, die Wahlen in Moldau, in Armenien oder die Olympischen Spiele in Frankreichsagte Julia Smirnova der Deutschen Welle.
Deutsche Behörden erklärten, die Ziele seien kremlkritische Politiker. Sowohl die rechtsextreme AfD als auch das linksgerichtete BSW befürworteten engere Beziehungen zu Russland und waren deshalb nicht ins Visier geraten.
Wichtige Landtagswahl steht bevor
Am 6. September steht in der ostdeutschen Region Sachsen-Anhalt eine wichtige Landtagswahl bevor und die Spekulationen über die stärkste Partei nehmen zu.
Für die rechtsextreme AfD wird ein starkes Abschneiden erwartet; sie könnte rund 40 % der Stimmen holen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte, es sei über die Aktivitäten informiert, deren Ziel es sei, das Wahlergebnis zu beeinflussen.
Allgemein richten sich solche Schmutzkampagnen nicht nur gegen Deutschland. Besonders seit Russlands Invasion in der Ukraine werden die Rufschädigungen von Politikern auf verschiedenste Weise betrieben, wie etwa Moldau im vergangenen Jahr erfahren musste.
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Deutschland hat auf diese Angriffe reagiert und ein neues Zentrum geschaffen, das hybride Bedrohungen und ausländische Einflussnahme abwehren soll.
Das im Juni gegründete Gemeinsames Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen umfasst eine Arbeitsgruppe, die sich auf Desinformation und ausländische Einflussnahme konzentriert.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die umfassendere Bedrohung als „Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts“ und erklärte, Ziel der Angreifer sei es, Deutschland zu destabilisieren.