Absage an Palantir, Verfassungsschutz kauft französische Datenanalyse-Software


Palantirs Bemühungen, in Deutschland Fuß zu fassen, haben sich nicht ausgezahlt. Der deutsche Inlandsgeheimdienst hat sich für eine französische Alternative zum umstrittenen US-Datenkonzern entschieden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat dem französischen Unternehmen ChapsVision einen Auftrag zur Lieferung von Software für die Analyse großer Datenmengen erteilt.

Wie Heise.de berichtet, setzte sich ChapsVision dabei gegen das umstrittene US-Unternehmen Palantir durch, das seit Jahren aggressiv versucht, in den deutschen Sicherheitsmarkt einzudringen.

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Europa ist zunehmend bestrebt, seine technologische Abhängigkeit von US-Konzernen zu verringern. BfV-Präsident Sinan Selen hatte bereits Ende 2025 angekündigt, auf europäische Alternativen zu setzen und die Abhängigkeit von amerikanischen Technologien zu reduzieren.

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Die KI-gestützte Software von ChapsVision namens ArgonOS extrahiert laut Unternehmenswebsite relevante Informationen aus beliebigen Datenquellen und bereitet sie auf, bevor sie von Analysten gesichtet werden. Die Lösung beherrscht OSINT-Methoden, visualisiert Netzwerke und verbindet unterschiedliche Datenbanken miteinander.

ChapsVision versichert, dass die Software in einer vom Internet getrennten, souveränen Cloud-Umgebung betrieben werde, um Datensicherheit und Datenschutz zu gewährleisten. In Frankreich ist ArgonOS bereits beim Inlandsgeheimdienst DGSI im Einsatz.

Laut Heise.de kooperiert ChapsVision in Deutschland mit dem IT-Dienstleister Rola Security Solutions, der auch in das Polizeiliche Informations- und Analysesystem (PIAV) eingebunden ist. Das Unternehmen gehört dem Tech-Unternehmer Olivier Dellenbach.

Palantirs zweifelhafter Ruf rührt vor allem von der Beteiligung des Konzerns an US-amerikanischen Überwachungs- und Rüstungsprogrammen her. Kritiker warnen, die Software werde im Rahmen von Menschenrechtsverletzungen eingesetzt.

Palantirs CEO Alex Karp räumte in der Vergangenheit offen ein, Palantirs Produkt „werde manchmal eingesetzt, um Menschen zu töten.“

Deutschlands Bedenken gegen Palantir-Software

Anfang 2026 erklärte Thomas Daum, Chef der Cyberabwehr der Bundeswehr, die Streitkräfte hätten nicht vor, Palantir Aufträge zu erteilen. Es sei derzeit schlichtweg undenkbar, Industriemitarbeitern Zugang zur nationalen Datenbank zu gewähren.

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Karp kritisierte die Entscheidung der Bundeswehr, Palantirs Software nicht zu integrieren und bezeichnete das Misstrauen gegenüber der Software des Unternehmens als „fehl am Platz".

Drei deutsche Bundesländer, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern, setzen bereits auf Palantirs Gotham-Software. Sie enthält umfangreiche personenbezogene Daten, darunter Wohnadressen, Bußgelder, Einträge in das Strafregister sowie Inhalte aus Social-Media-Profilen.

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Mit anderen Worten, die Technologie liefert Polizeibeamten in Sekundenschnelle ein umfassendes Profil jeder beliebigen Person, wie Deutsche Welle (DW) berichtet.

Bürgerrechtsorganisationen lehnen den Einsatz von Technologien wie Palantir entschieden ab. Die in Berlin ansässige Gesellschaft für Freiheitsrechte e. V. (GFF) reichte 2025 eine Verfassungsbeschwerde gegen die anlasslose Massenauswertung von Daten in Bayern ein.

Die Organisation argumentiert, diese Art der Datenanalyse verstoße gegen das grundrechtlich garantierte Recht auf informationelle Selbstbestimmung sowie das Fernmeldegeheimnis.

Während Deutschland sich für Palantir-Alternativen entscheidet, hat der britische National Health Service dem Unternehmen soeben uneingeschränkten Zugriff auf die Daten von Millionen Patientinnen und Patienten gewährt.


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