Deutschland wählt schwächere Cloud-Lösungen statt US-Dominanz

Deutsche Unternehmen machen sich zunehmend Sorgen um ihre Abhängigkeit von amerikanischer Technologie. Aktuelle Zahlen zeigen, dass immer mehr Betriebe ihre Daten lieber auf einem nationalen Cloud-System speichern würden und dafür sogar Einbußen bei Funktionen und höhere Preise in Kauf nehmen, um Anbieter aus dem Ausland, vor allem aus den USA, zu meiden.
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Immer mehr deutsche Unternehmen sehen sich als zu abhängig von US-Cloud-Anbietern und fordern mehr heimische Alternativen.
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Eine Umfrage unter mehr als 600 Unternehmen ergab, dass 85 % der Befragten Deutschland für zu abhängig von amerikanischer Cloud-Infrastruktur halten.
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Viele Unternehmen würden weniger Funktionen oder höhere Kosten akzeptieren, um Daten ausschließlich in Deutschland zu speichern und zu verarbeiten.
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Trotz des Stimmungswandels nutzen die meisten Unternehmen weiterhin US-Cloud-Dienste – eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt: Der Wunsch nach einer stärker heimisch geprägten digitalen Infrastruktur wächst in Deutschland. Die Gründe dafür sind vielschichtig. In dieser Woche warnten Politiker, der Zugang zu wichtigen amerikanischen KI-Systemen könnte gekappt oder aus politischen Gründen eingeschränkt werden. Dieses Thema dominiert derzeit die Debatten beim G7-Gipfel in Frankreich und der VivaTech in Paris.
Gleichzeitig sind deutsche Unternehmen aus Angst vor zu großer Abhängigkeit von US-Technologie bereit, Kompromisse einzugehen.
Von über 600 Unternehmen, die an der Umfrage des Digitalverbands Bitkom teilnahmen, sind 85 % der Meinung, Deutschland sei zu stark von US-Cloud-Anbietern abhängig – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 78 %.
Ein wachsender Anteil der Unternehmen signalisiert zudem, für einen rein deutschen Cloud-Dienst Abstriche in Kauf zu nehmen. Rund 37 % gaben an, einen Dienst zu erwägen, der Daten ausschließlich in Deutschland speichert und verarbeitet – selbst wenn das weniger Funktionen oder höhere Kosten bedeutet. Im Vorjahr waren es noch 27 %.
„Die Cloud ist für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar. Angesichts der geopolitischen Veränderungen ist der Cloud-Standort Deutschland in den Fokus gerückt“, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
„Deutschland muss sich bei der Cloud mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von KI und Daten aus einseitigen Abhängigkeiten lösen. Das wird eine zentrale Aufgabe der neuen Bundesregierung sein.“
Wirkt europäische Technologie nur auf den ersten Blick besser?
Obwohl es sich nur um einen einzigen Bericht handelt, scheinen Untersuchungen von Cybernews diesen Eindruck zu bestätigen.
Zunächst zeigte die Umfrage eine klare Diskrepanz zwischen den Anbietern, die Unternehmen derzeit nutzen, und denen, die sie eigentlich bevorzugen würden.
Zwar setzen 71 % der Unternehmen aktuell auf US-amerikanische Cloud-Anbieter, doch nur 8 % geben an, diese tatsächlich zu bevorzugen.
Dem gegenüber stehen 91 %, die deutsche Anbieter bevorzugen würden, tatsächlich genutzt werden diese aber nur von 53 % der Unternehmen.
Cybernews hat bereits in der Vergangenheit europäische Software und Apps mit ihren US-amerikanischen Pendants verglichen.
Die Tests förderten dabei einige Einschränkungen zutage, die für Social-Media-Fans echte Ausschlusskriterien sein könnten. Ein Beispiel ist Monnett, eine in Luxemburg ansässige App zum Teilen von Fotos und Videos, die oft als europäische Version von Instagram gehandelt wird.
Laut Cybernews-Redakteurin Eglė Krištopaitytė, die die Plattform unter die Lupe nahm, ähnelt Monnett Instagram in vielerlei Hinsicht und erlaubt es Nutzern, Videos und Bilder zu teilen sowie verschlüsselte Nachrichten auszutauschen. Der Haken? Bislang zählt Monnett lediglich 50.000 Nutzer. Das ist zu wenig, um Inhalten die nötige Reichweite zu verschaffen oder eine breite Auswahl an Inhalten etablierter Creator zu bieten.
Auch europäische Technik führt manchmal zurück in die USA
Cybernews hat sich zudem europäische Alternativen zu Google Search angesehen. Darunter findet sich GOOD, eine in Berlin ansässige Suchmaschine, die sich selbst als „Ausweg aus der Big-Tech-Welt“ vermarktet. Wie die Recherche jedoch zeigt, basiert die Engine auf einem unabhängigen Index, der vom amerikanischen Unternehmen Brave Software, Inc. entwickelt und betrieben wird.
GOOD versichert, weder Daten zu sammeln noch zu speichern, und gibt an, dass die mobilen Browser-Apps Ad-Blocker und Anti-Tracking-Funktionen umfassen.
Allerdings arbeitet das Unternehmen mit Drittanbietern zusammen, darunter Bing und Wikipedia, um Werbeanzeigen und Suchergebnisse anzuzeigen.
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