Hamburg plant Abschied von Microsoft zugunsten von Open Source
Ein Sinneswandel in Hamburg.

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- Hamburg will prüfen, ob Microsoft 365 durch openDesk ersetzt werden kann, um die Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung vom US-Konzern zu verringern.
- Der Antrag wurde von den großen Parteien breit unterstützt, nur die AfD stimmte dagegen.
- Der Umstieg auf LibreOffice in Schleswig-Holstein gilt als Vorbild und soll jährlich rund 15 Millionen Euro an Lizenzkosten einsparen.
- Der Schritt steht im Zeichen von Europas Streben nach digitaler Souveränität, doch openDesk weist im Vergleich zu Microsoft noch funktionale Lücken auf.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Die Hamburgische Bürgerschaft hat einen Antrag verabschiedet, um Möglichkeiten der Verringerung ihrer strategischen Abhängigkeit von Microsoft-Software zu prüfen.
Die Hamburgische Bürgerschaft verabschiedete am 6. Mai 2026 einen Antrag, der eine Prüfung der strategischen Einführung der Open-Source-Bürosoftware openDesk fordert, um Microsoft 365 in der öffentlichen Verwaltung des Stadtstaats zu ersetzen, wie Welt berichtet.
Der Antrag stieß auf breite Zustimmung im politischen Spektrum: SPD, Grüne, CDU und Linke stimmten dafür. Nur die AfD lehnte ihn ab.
Damit vollzieht das Parlament eine Kehrtwende gegenüber Januar, als Abgeordnete Microsoft noch als faktischen Marktstandard verteidigten und argumentierten, die Software sei tief in die behördenübergreifende Zusammenarbeit integriert.
Tim Stoberock, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und Mitautor des Antrags, erklärt, die Bedenken richteten sich auf eine politische Bewertung strategischer Abhängigkeiten und nicht auf den technischen Status, wie Welt berichtet.
Ganz neu ist Open Source für die Hansestadt nicht: Im Rechenzentrum von Dataport, das Hamburg und benachbarte Bundesländer mit IT versorgt, laufen bereits 40 Prozent der Server und 70 Prozent der Middleware auf Open-Source-Basis.
Eine Erfolgsgeschichte nebenan
Der Antrag setzt der Regierung eine Frist bis zum 1. Dezember 2026, um eine Analyse des Falls Schleswig-Holstein abzuschließen.
Dort sind bereits nahezu alle Verwaltungsarbeitsplätze von Microsoft-Software auf die Open-Source-Bürosuite LibreOffice umgestiegen.
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Nach Schätzungen der Landesregierung spart der Umstieg jährlich 15 Millionen Euro an Lizenzkosten.
Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister von Schleswig-Holstein, sagte der Welt am Sonntag, dass rund 20 Prozent der Arbeitsplätze für spezialisierte Anwendungen weiterhin einzelne Lizenzen von Microsoft Word und Excel benötigten.
Die bestehenden Verträge der Landesregierung mit Microsoft würden nach ihrem Auslaufen 2029 jedoch nicht verlängert.
Widerstand gegen Microsofts Cloud-Kurs
Die Grünen bezeichnen die Abhängigkeit von Microsoft, dem US-amerikanischen Technologiekonzern, laut Welt als vergleichbar mit der einstigen Abhängigkeit von russischem Gas.
Hamburgs Haltung spiegelt das breitere europäische Streben nach digitaler Souveränität wider, das teilweise aus Bedenken um den Datenschutz resultiert.
US-Gesetze wie der CLOUD Act von 2018 verpflichten amerikanische Unternehmen dazu, den US-Strafverfolgungsbehörden angeforderte Daten herauszugeben, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind.
Microsoft, das die Cloud kürzlich zum Standardspeicherort seiner Bürosoftware gemacht und von Einmalkäufen auf ein Abo-Modell umgestellt hat, ist dadurch zu einem der wichtigsten Ziele der europäischen Souveränitätsbestrebungen geworden.
Deutschlands Hinwendung zu Open Source beschränkt sich dabei nicht nur auf Hamburg und Schleswig-Holstein.
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung führte im März 2026 einen Rahmen ein, der vorschreibt, dass amtliche Dokumente künftig nur noch in offenen Formaten herausgegeben werden dürfen und proprietäre Formate wie Microsoft Word ausgeschlossen sind.
Die regierende Koalition Münchens hat sich verpflichtet, Open-Source-Software zum Standard bei der kommunalen Softwarebeschaffung zu machen, um teure Lizenzgebühren zu vermeiden und eine Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verhindern.
Mecklenburg-Vorpommern führt derzeit eine Open-Source-Kollaborationsplattform ein und will damit künftig mehr als 50.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst umstellen.
Trotz der Begeisterung in ganz Europa bleibt abzuwarten, ob der Umstieg von Microsoft-Software und anderen amerikanischen Technologien reibungslos gelingt.
Eine aktuelle Studie legt nahe, dass openDesk Microsoft noch nicht vollständig ersetzen kann, da die Software bei Benachrichtigungen, Datenaustausch sowie beim Zugriff auf Sensoren und Sicherheitsfunktionen noch eingeschränkt sei.
Die Autoren betonen jedoch, dass openDesk laufend weiterentwickelt werde und einige fehlende Funktionen durch andere Open-Source-Software wie LibreOffice und Thunderbird ausgeglichen werden könnten.