Schweiz startet Pilotprojekt zum Umstieg von Microsoft 365 auf openDesk
Ein weiterer Rückschlag für Microsoft.

Image by Cybernews
- Die Schweiz testet openDesk auf 3.000 Arbeitsplätzen des Bundes und will den flächendeckenden Ersatz von Microsoft 365 prüfen.
- Als Gründe für den Pilotversuch nennen die Behörden digitale Souveränität, Datenschutz und steigende Preise für Microsoft-Produkte.
- openDesk bündelt quelloffene, browserbasierte Anwendungen, entwickelt von BMI und ZenDiS für die öffentliche Verwaltung in Deutschland.
- Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2026 kam zu dem Schluss, dass openDesk Microsoft 365 noch nicht in allen Bereichen ersetzen kann.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Die Schweizer Bundesverwaltung hat ein Pilotprojekt angekündigt. Ziel ist ein versuchsweiser Wechsel von Microsoft 365 zu openDesk. Die Maßnahme ist Teil einer breit angelegten Offensive für digitale Souveränität.
Der am 4. September 2026 angekündigte Pilotversuch umfasst zunächst 3.000 Arbeitsplätze und damit rund 6 Prozent der 54.000 Stellen in der Schweizer Bundesverwaltung.
Für das Projekt stellt der Bund 9 Millionen Franken (9,5 Millionen Euro) bereit, wie aus dem Bericht von Born City hervorgeht, den Cybernews maschinell übersetzt hat.
Die Umsetzung soll Anfang 2027 beginnen und Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Dem Pilotprojekt ging ein erfolgreich abgeschlossener Proof of Concept voraus: 172 Mitarbeitende prüften dabei, wie alltagstauglich die Produktivitätssuite openDesk tatsächlich ist.
Bleib auf dem Laufenden und folge uns in den sozialen Medien
Entdecke neue Geschichten, Ideen und Updates zuerst bei uns.
Zeigt der Pilotversuch, dass sich die Migration skalieren lässt, will die Bundesverwaltung Microsoft-Produkte im gesamten Verwaltungsapparat ersetzen.
Das Cyberkommando der Schweizer Armee will openDesk unterdessen bereits bis Oktober 2026 flächendeckend einführen.
Kosten senken, Souveränität stärken
Mit dem Test von openDesk will der Bund auch Kosten drücken. Microsoft hat die Preise für seine Bürosoftware in den letzten Jahren kräftig angehoben, zuletzt im Juli 2026 mit einem Aufschlag von 5 bis 8 Prozent auf die Listenpreise von Microsoft 365.
Ausschlaggebend sind allerdings vor allem digitale Souveränität und Datenschutz: Die Schweizer Regierung will ihre Abhängigkeit von internationalen Cloud-Anbietern verringern.
Damit folgt sie dem europäischen Trend. Die zunehmend angespannten Beziehungen zur Regierung von Donald Trump geben Bestrebungen, sich von US-Technologie zu lösen, neuen Schub.
Im Fokus der Bedenken stehen US-Cloud-Anbieter: Drei amerikanische Konzerne – Amazon, Microsoft und Google – beherrschen rund 70 Prozent des europäischen Marktes.
US-Gesetze wie der CLOUD Act von 2018 verpflichten amerikanische Unternehmen dazu, Daten an die eigenen Strafverfolgungsbehörden herauszugeben. Das nährt Zweifel am Schutz sensibler Informationen.
Anton Carniaux, Justiziar von Microsoft Frankreich, erklärte 2025 vor dem französischen Senat, das Unternehmen könne nicht garantieren, dass die Daten europäischer Nutzer sicher vor dem Zugriff durch US-Behörden seien.
Was ist openDesk?
Die Produktivitätssuite openDesk ist eine quelloffene, browserbasierte Lösung, die verschiedene Programme für unterschiedliche Aufgaben bündelt, überwiegend aus europäischer Entwicklung.
Entwickelt wird die Software vom Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS), einem deutschen öffentlichen Unternehmen, das Behörden dabei berät, ihre Abhängigkeit von ausländischer Technik zu verringern.
Als Alternative zu Microsoft 365 findet openDesk bei souveränitätsbewussten Regierungen und Institutionen in Europa immer mehr Zuspruch. Auch das Land Hamburg hatte im Juli angekündigt, Microsoft schrittweise durch openDesk ersetzen zu wollen.
Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag stieg 2025 auf openDesk um, nachdem Chefankläger Karim Khan Microsoft vorgeworfen hatte, seinen E-Mail-Zugang gesperrt zu haben, nachdem die USA Sanktionen gegen ihn verhängt hatten.
Zwar verlief der Schweizer Proof of Concept erfolgreich, doch eine Studie des Zürcher Kompetenzzentrums für Digitalisierung und der Berner Fachhochschule kam 2026 zu dem Schluss, dass openDesk Microsoft 365 noch nicht vollständig ersetzen kann.
Laut der Studie ist der Funktionsumfang begrenzt, weil openDesk ausschließlich im Browser läuft. Ausgleichen ließe sich das durch quelloffene Software wie LibreOffice und Thunderbird.