Studie findet Millionen manipulativer Beiträge bei TikTok und Telegram


Eine neue Studie hat gezielte politische Kampagnen in mehr als drei Millionen Social-Media-Beiträgen mit extremistischen Inhalten auf den Plattformen TikTok und Telegram in Deutschland dokumentiert.

Die Analyse der litauischen Datenplattform Repsense hat 3,1 Millionen Inhalte auf TikTok und Telegram in Deutschland untersucht, um koordinierte Kampagnen zur Meinungsmanipulation aufzudecken. Die Studie soll dieses Wochenende auf der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) vorgestellt werden.

Eine zentrale Erkenntnis der Forscher bezieht sich auf die Abfolge der Beiträge innerhalb der ersten 12 bis 48 Stunden. Den Ergebnissen zufolge tauchen Inhalte erst auf Telegram auf, wo sie koordiniert werden. Danach verbreitet sich die Botschaft und erreicht den Höhepunkt ihrer Popularität auf TikTok. 97 % der Inhalte erschienen auf beiden Plattformen, um Effekte zu maximieren.

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Einige Narrative werden von russischsprachigen Telegram-Kanälen übernommen. Die aktuelle Studie ordnet die Beiträge jedoch nicht als staatliche Kampagne des Kremls oder anderer Organisationen ein. Kurzvideos fallen in den Sicherheitsstrategien von Institutionen wie NATO oder EU bisher häufig durchs Raster.

Der Autor der Studie, Mykolas Katkus, stellt klar: „Desinformationskampagnen sind kein Kommunikationsproblem – sie sind eine Bedrohung der Sicherheit."

Die Studie zieht auch Vergleiche zu Rumänien, wo TikTok von einem rechtsextremen Kandidaten zur Beeinflussung des Wahlergebnisses genutzt wurde. Die Wahl wurde daraufhin annulliert.

Romanian citizens celebrating the election results at night.
Picture Alliance über Getty Images

Koordinierte Narrative

Die sozialen Medien werden zunehmend genutzt, um ihre Nutzer unterschwellig zu beeinflussen. Die Studie stellte fest, dass insbesondere TikTok das Narrativ vom Ukraine-Krieg als US-Stellvertreterkrieg" verstärkte. Die Behauptung tauchte dort über 13-mal häufiger auf als in etablierten Online-Nachrichtenportalen.

Insgesamt wurden im Rahmen der Studie 1,5 Millionen TikTok-Posts durchforstet und 262.265 Videos von über 3.000 verschiedenen Accounts analysiert. Parallel wurden Inhalte aus über 400 russischen und 300 deutschen Telegram-Kanälen sowie 1,2 Millionen korrespondierende Nachrichtenmeldungen zum Abgleich analysiert.

Die Kurzvideos, die Symbolik, die Hintergrundmusik, die Texte und die Szene-Codes sind die subtilen Mittel dieser Art der politischen Einflussnahme.

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Zu den extremeren Inhalten gehörten verschlüsselte Nazi-Botschaften (A.H., Symbole), rechtsextreme Bildsprache, Sowjetflaggen, Georgsband, Propagandalieder und Deepfakes.

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Dass die öffentliche Meinung sich zunehmend polarisiert, ist kein Geheimnis. Im deutschen Telegram bewerteten die Forscher 28 % der 67.904 ausgewerteten Nachrichten als pro-amerikanisch, 17 % unterstützten rechtspopulistische Parteien, 24 % attackierten Mitte- oder Mitte-Links-Parteien.

Die Studie kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Europa seine Cyberabwehr-Kapazitäten hochfährt, eine Reaktion auf die „unaufhörliche Flut" von Cyberangriffen aus Moskau.

„Europa investiert Hunderte Milliarden in konventionelle und Cyberverteidigung, und das zu Recht", erklärt Katkus. „Aber jeder Akteur, der durch koordinierte Netzwerke und algorithmische Verstärkung die öffentliche Meinung formen kann, arbeitet zu einem Bruchteil dieser Kosten."

Viele Social-Media-Nutzer in Europa suchen bereits nach Alternativen zu den großen Plattformen, darunter auch W, das als Konkurrent zu Elon Musks X positioniert wird.


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