Angeblich 100.000 Euro Schweigegeld für AfD-Datenleck geboten
„Gegen Populismus dieser Größenordnung ist Hacktivismus oft die einzige Antwort.“

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- Ein Hacker behauptet, mehr als 421.000 AfD-E-Mails und über 100.000 Dateien erbeutet zu haben.
- Die AfD bestätigte einen Cybervorfall, machte aber keine Angaben zum Umfang der abgeflossenen Daten.
- Forscher stießen in den angeblichen E-Mails auf Bezüge zu Nationalsozialismus, Rassismus, Antisemitismus und politischer Gewalt.
- Laut dem Hacker habe jemand 100.000 Euro geboten, damit die Leak-Seite vom Netz geht.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Ein Hacker will in die Systeme der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) eingedrungen und Hunderttausende E-Mails abgegriffen haben. Jetzt erklärt der mutmaßliche Angreifer, jemand habe ihm 100.000 Euro geboten, damit das Leak verschwindet.
Die Aktion habe finanzielle Verfehlungen und Heuchelei in einer Partei offengelegt, die sich als Anwältin der einfachen Leute inszeniere und ihren Erfolg zu großen Teilen auf dem Zorn über politische Eliten aufgebaut habe, so der Hacker.
Aufgetaucht sind die Behauptungen in einem bekannten Hackerforum. Dort gibt der Angreifer an, mehr als 421.000 interne E-Mails und über 100.000 Dateien abgezogen zu haben.
Die Daten sollen von mehr als 800 Hosts stammen, die zur Domain der Partei gehören. Verbreitet werden sie über die Website des Angreifers als Torrent mit knapp 300 GB Umfang.
Zur angeblichen Beute zählen das Postfach von Alexander Gauland, dem früheren Co-Vorsitzenden der AfD, interne Datenbanken und weitere Parteidokumente.
Gegenüber der Bild hat die Partei einen Cybervorfall bestätigt.
„Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei“, erklärte ein AfD-Sprecher.
Zum Ausmaß des Datendiebstahls machte die Partei keine Angaben.
Der Sprecher versicherte, der Angriff sei schnell gestoppt und alle betroffenen Nutzer seien informiert worden. Ob die geleakten E-Mails echt sind, ist bislang nicht bestätigt.
Welche AfD-Daten wurden geleakt?
Auf der Website finden sich KI-generierte Zusammenfassungen der E-Mails, sortiert nach Kategorien wie Rassismus und Antisemitismus und eingestuft von „niedrig“ bis „kritisch“.
Nach Angaben der Cybernews-Forscher, die sich die Seite angesehen haben, sind Absender- und Empfängeradressen, Zeitstempel und Betreffzeilen einsehbar. Der jüngste Eintrag stammt vom 12. September dieses Jahres, der älteste aus dem Jahr 2013.
Hitler-Bezüge, Hakenkreuze und Gewaltfantasien
Die Zusammenfassungen der E-Mails deuten auf Hassrede hin. In den geleakten Nachrichten soll sich eine verstörende Sammlung von Bezügen zu Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rassismus und politischer Gewalt finden, an denen AfD-Mitglieder und -Mitarbeiter beteiligt gewesen seien.
Zu den genannten Beispielen zählt eine E-Mail aus dem Jahr 2018, die Alexander Gauland weitergeleitet haben soll. Darin geht es um eine „Hitler-Wallfahrt“, an der ein früherer Richter am Schiedsgericht der AfD in Thüringen beteiligt gewesen sein soll.
In einem anderen Fall soll ein Parteimitglied in einer Kreis-WhatsApp-Gruppe darüber gewitzelt haben, Geflüchtete zu Handtaschen und Stiefeln zu verarbeiten – eine offenkundige Anspielung auf die Verbrechen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern.
Ein Kreisvorsitzender soll zurückgetreten sein, nachdem ein Vorstandsmitglied eine Weihnachtskarte mit Hakenkreuz und den Worten „Heil Hitler“ verschickt hatte. Dem Bericht zufolge taten andere den Vorfall lachend ab.
Weitere Nachrichten zeigen angeblich eine deutlich aggressivere politische Kultur. Ein bayerischer Funktionär soll die Parteispitze aufgefordert haben, täglich „Merkel verrecke“ zu rufen.
In einem anderen E-Mail-Verlauf sollen Mitarbeiter der Bundespartei darüber beraten haben, einen Fotografen zu einer Veranstaltung zu locken, um ihn dort gewaltsam entfernen zu lassen. Der Austausch endete dem Bericht zufolge mit den Worten „Heil und Sieg“, einer Formel aus dem Vokabular der Nationalsozialisten.
Zum Material gehört außerdem eine E-Mail aus Nordrhein-Westfalen von 2025 mit dem Betreff „Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am Infostand“.
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„Verkommenheit und Heuchelei“ offenlegen
Der Hacker hinter dem Einbruch sagte dem International Cyber Digest, alles habe mit einer einzigen ungepatchten Website der AfD begonnen. Er hätte den gemeinsam genutzten Servercluster samt Backups zerstören können, habe sich aber dagegen entschieden.
Ziel sei es gewesen, die „Verkommenheit und Heuchelei“ der Partei sichtbar zu machen.
„Das Ausmaß der finanziellen Zweckentfremdung in diesen Dokumenten ist erschreckend, ganz gleich, wie man zu Einwanderern steht“, sagte der Hacker dem International Cyber Digest.
„Die AfD greift einen berechtigten Frust auf und nutzt ihn, um die ärmsten 20 Prozent dieses Landes auszunehmen“, so der Angreifer.
„Gegen Populismus dieser Größenordnung ist Hacktivismus oft die einzige Antwort.“
„Wir würden dich bezahlen, damit die Seite offline geht“
Eine neue Wendung nahm die Geschichte, als sich laut International Cyber Digest ein anonymer Nutzer per Proton Mail bei dem Hacker meldete und Geld dafür bot, die Leak-Seite abzuschalten.
„Wie können wir in Kontakt treten? Wir würden dich bezahlen, damit die Seite offline geht“, soll in der Nachricht gestanden haben.
Dem Medium zufolge belief sich das Angebot auf 100.000 Euro. Der Hacker will die Website jedoch online lassen.