DeepL wechselt zu AWS und riskiert Kunden in der EU zu vergraulen
Der Übersetzungsdienst DeepL hat seine Kunden darüber informiert, dass das Unternehmen zukünftig Server von Amazon Web Services (AWS) nutzen wird. Für manche europäischen Firmen bleibt damit nur, nach Alternativen zu suchen.

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Der Übersetzungsdienst DeepL hat seine Kunden darüber informiert, dass das Unternehmen zukünftig Server von Amazon Web Services (AWS) nutzen wird. Für manche europäischen Firmen bleibt damit nur, nach Alternativen zu suchen.
- Die deutsche Übersetzungswebsite DeepL plant, neben der eigenen Infrastruktur Server von AWS zur Datenverarbeitung einzusetzen.
- Einige europäische Kunden befürchten, dass durch die Partnerschaft von DeepL mit AWS ihre Daten außerhalb der EU verarbeitet werden könnten.
- DeepL erklärt, die Infrastruktur werde ausgebaut, um die wachsende Besucherzahl zu unterstützen. Das Unternehmen halte weiter am Datenschutz fest.
- Experten sagen gegenüber Cybernews, dass der Einsatz von US-Anbietern das Risiko erhöhe, zwischen US- und EU-Recht zu geraten.
DeepL aus Deutschland, einer der weltweit führenden Anbieter maschineller Übersetzungen, hat Verbraucher kürzlich darüber informiert, dass AWS in die Liste seiner Auftragsverarbeiter aufgenommen wird.
Die Nachricht habe Joerg Peter Weishaupt, CEO und CTO der in Portugal ansässigen Malogica Group, eines Unternehmens für maßgeschneiderte Softwareentwicklung, beunruhigt, da er befürchte, dass durch die Partnerschaft mit einem US-Anbieter Daten aus der Europäischen Union (EU) abfließen könnten.
Weishaupt sagte Cybernews, die neuen Bedingungen seien mit dem Grund unvereinbar, aus dem sich das Unternehmen, als Mitglied von Eurostack und Entwickler souveräner europäischer Infrastruktur, ursprünglich für DeepL entschieden habe.
Deshalb habe das Unternehmen den Änderungen formell widersprochen und auf Alternativen umgestellt.
DeepL erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme, die Cybernews vorliegt, das Unternehmen entwickle seine globale Infrastruktur weiter, um seinen Kunden „die Leistung, Zuverlässigkeit und Innovation zu bieten, die sie verdienen“.
Das Unternehmen erklärt, wegen eines schnell wachsenden Kundenstamms in mehreren Regionen setze es auf eine Hybrid-Cloud-Strategie der nächsten Generation, die „vertrauenswürdige Rechenzentren im Europäischen Wirtschaftsraum mit zusätzlichen Cloud-Ressourcen von AWS“ kombiniere.
„Datenschutz, Sicherheit und Vertrauen sind unsere höchsten Maßstäbe und leiten jeden Schritt unserer KI-Forschung und Produktentwicklung. Unsere wachsende Infrastruktur ermöglicht es uns, denselben kompromisslosen Anspruch Kunden auf der ganzen Welt zu bieten“, heißt es in der Erklärung.
Weishaupt sagt jedoch, ihn überzeuge die Begründung mit „Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit“ nicht, da auch europäische Cloud-Anbieter diese Anforderungen erfüllen könnten.
„Das ist ein Muster und keine Einzelfallentscheidung. Anbieter, die mit digitaler Souveränität geworben haben, tauschen dieses Versprechen still gegen die Bequemlichkeit von Hyperscalern ein, und europäischen Käufern gehen die vertrauenswürdigen Optionen aus“, sagte er zu Cybernews.
Europas Cloud-Problem
DeepLs Partnerschaft mit AWS kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die deutsche Regierung zunehmend von US-Technologien abwendet, mit Verweis auf Risiken durch die starke Abhängigkeit vom amerikanischen Tech-Stack, insbesondere bei Cloud-Diensten.
Die drei US-Konzerne Google, AWS und Microsoft stehen für rund 70 % des Cloud-Markts in Europa.
Obwohl europäische Anbieter amerikanische Unternehmen noch nicht vollständig ersetzen können, wehren sich einige. Die Berliner Suchmaschine Ecosia startete kürzlich gemeinsam mit dem französischen Qwant eine Initiative zum Aufbau europäischer Suchindizes mit einem Wert von 50 Millionen Euro.
Zu ihren Zielen gehört es, Daten innerhalb der EU-Grenzen zu halten, da der Datenschutz beim Einsatz amerikanischer Cloud-Anbieter ein zentrales Anliegen bleibt.
US-Gesetze wie der Cloud Act von 2018 verpflichten amerikanische Technologiekonzerne wie AWS dazu, Daten auf Anforderung US-amerikanischer Strafverfolgungsbehörden herauszugeben, unabhängig davon, wo diese Daten gespeichert oder verarbeitet werden.
Patrick Münch, Chief Security Officer und Mitgründer der Exposure-Management-Plattform Mondoo, sagt, Unternehmen, die auf US-Cloud-Anbieter setzen, könnten zwischen extraterritorialen Gesetzen wie dem CLOUD Act und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU zerrieben werden.
„Sie können zu abhängig von wenigen großen Cloud-Anbietern werden und geraten dann in Schwierigkeiten, regelkonform zu bleiben, wenn sich ihre Cloud-Umgebungen weiterentwickeln“, sagte er zu Cybernews.
AWS gibt jedoch an, seit 2020, dem Beginn der Erhebung, keine außerhalb der USA gespeicherten Daten an die US-Regierung weitergegeben zu haben. Das Unternehmen betont zudem, dass der Cloud Act der US-Regierung keinen „uneingeschränkten oder automatischen Zugriff auf Daten" gewähre.
Angesichts der verschärften geopolitischen Spannungen zwischen Washington und europäischen Hauptstädten dürfte die Nutzung von US-Anbietern zur Speicherung und Verarbeitung von Daten dennoch ein Streitpunkt bleiben.
Für ähnliche Diskussionen sorgte zuletzt Microsofts Ankündigung, dass der KI-Assistent Copilot bei Spitzenlasten Inferenzläufe großer Sprachmodelle (LLMs) zeitweise außerhalb der EU Data Boundary ausführen können soll. Ein Umstand, der umso bedenklicher erscheint nachdem festgestellt wurde, dass Copilot zeitweise vertrauliche E-Mails durchsucht hat.
Sie können zu abhängig von wenigen großen Cloud-Anbietern werden und geraten dann in Schwierigkeiten, regelkonform zu bleiben, wenn sich ihre Cloud-Umgebungen weiterentwickelnPatrick Münch
Nicht ganz so souverän: Europas Cloud-Infrastruktur
AWS hat auf die Bedenken rund um Unabhängigkeit reagiert und Anfang 2026 die European Sovereign Cloud (ESC) gestartet, die auf europäischem Boden gehostet und von in Europa ansässigen Personen betrieben und verwaltet wird.
Dan Herbatschek, CEO und Gründer des Softwareentwicklungsunternehmens Ramsey Theory Group, sagt, AWS-ESC-Angebote böten größere Sicherheit in Bezug auf Datenresidenz, operative Kontrolle und Governance innerhalb der EU-Grenzen.
Er betont jedoch, dass Souveränität nicht nur eine Frage des Speicherorts von Daten sei. Letztlich komme es, so Herbatschek, darauf an, wer „Zugriff, Kontrolle und rechtliche Befugnis über diese Daten“ habe.
Eric Avery, Leiter für globale Daten und Infrastruktur bei Sumo Logic, sagt, AWS ESC folge dem Modell der geteilten Verantwortung, wonach in der Cloud alles in der Verantwortung des Kunden liege, einschließlich der Konfiguration von Diensten und des Umgangs mit den eigenen Daten.
Er sagt zu Cybernews: „Es wäre unvernünftig, von irgendeinem Cloud-Anbieter zu erwarten, eine Region vollständig abzuschotten. Das würde den sich fortlaufend wandelnden Vorschriften, den Betriebsmodellen von Unternehmen und der Innovation widersprechen.“
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