Deutsche Geheimdienste planen den Austausch geheimer Daten über die Google Cloud
Beim Thema digitale Souveränität haben die Spione offenbar nicht aufgepasst.

Image by Cybernews
- Die deutschen Nachrichtendienste BND, BfV und MAD wollen eine gemeinsame Cloud, um streng vertrauliche Informationen schneller auszutauschen.
- Die geplante ND-Cloud soll auf Google Distributed Cloud basieren, einem vom Internet abgeschotteten System mit Datenspeicherung in Deutschland.
- Berichten zufolge hätte Google keinen direkten Zugriff auf die Daten.
- Kritiker stellen infrage, warum ausgerechnet ein US-Anbieter zum Zug kommt, obwohl Deutschland mehr digitale Souveränität anstrebt.
Zentrale Fakten von nexos.ai, geprüft von der Cybernews-Redaktion.
Drei deutsche Nachrichtendienste wollen eine gemeinsame Cloud, um streng vertrauliche Informationen schneller auszutauschen. Die Wahl des Anbieters sorgt allerdings für Stirnrunzeln.
Der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der Militärische Abschirmdienst (MAD) planen ein Cloud-System, über das sich Informationen bis zur höchsten Geheimhaltungsstufe austauschen lassen, wie die Tagesschau berichtet.
Bislang können Geheimdienstmitarbeiter eingestufte Dokumente nur im Büro an speziell konfigurierten Rechnern einsehen.
Das erschwert den Austausch von als „vertraulich“ oder „geheim“ eingestuften Informationen zwischen den deutschen Diensten, denn solche Dokumente dürfen nicht per E-Mail verschickt werden.
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Obwohl digitale Souveränität als wichtigstes Kriterium für das neue System gilt, wollen die Behörden auf Dienste des US-Technologieriesen Google setzen.
Wie deutsche Medien berichten, soll das neue System namens ND-Cloud auf der Google Distributed Cloud aufbauen. Dabei handelt es sich um eine „Air-Gapped“-Variante ohne direkte Verbindung zum Internet oder zu Google.
Google hätte demnach keinen Zugriff auf die Daten, die in Deutschland gespeichert würden.
Das System soll 2027 in Betrieb gehen und könnte mindestens 500 Millionen Euro kosten.
„In die Falle von Big Tech tappen“
Die Pläne stoßen in Deutschland auf Kritik. Behörden auf Landes- und Bundesebene betonen zunehmend, wie wichtig es sei, die Abhängigkeit Deutschlands von US-Technologien zu verringern.
Tuta, ein deutsches Open-Source-Technologieunternehmen, bezeichnete die Entscheidung für Google Cloud als „erstaunlich“. Das Unternehmen erklärte, es könne zum gleichen Preis eine unabhängige, verschlüsselte Tuta-Drive-Instanz einrichten, auf die Dritte keinen Zugriff hätten.
Wenn die Behörden von digitaler Souveränität sprechen, müssen sie ihren Worten auch Taten folgen lassen, statt erneut in die Falle von Big Tech zu tappen.Tuta
Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, sagte gegenüber heise online, die Wahl eines amerikanischen Anbieters werfe Fragen auf.
„Die Bundesregierung wird beantworten müssen, warum eine europäische Lösung aus ihrer Sicht nicht möglich war und wie sichergestellt werden kann, dass die Integrität und Souveränität nachrichtendienstlicher Daten auch in Zukunft über jeden Zweifel erhaben ist“, wird von Notz zitiert.
Anfang 2026 hatte das BfV dem französischen Unternehmen ChapsVision den Auftrag für eine Software zur Analyse großer Datenmengen erteilt und sich damit gegen das US-Datenanalyseunternehmen Palantir Technologies entschieden. Der Schritt galt weithin als Teil der Berliner Bemühungen um digitale Souveränität.