Europäische Suchmaschinen statt Google: Welches sind die besten Alternativen?


Listen to this article

Europäische Alternativen zu Google Search gibt es viele, doch manche nutzen für ihre Suchanfragen im Hintergrund den Index von Google oder Bing. Daher ist fraglich, ob diese Suchmaschinen wirklich souverän sind.

Zentrale Fakten:

Seit dem 4. Juni ist die französische Suchmaschine Qwant die Standard-Suchmaschine in den Browsern Microsoft Edge und Mozilla Firefox im Europäischen Parlament.

ADVERTISEMENT

Gleichzeitig treibt die EU ihr Paket zur technologischen Souveränität voran, um die Abhängigkeit von amerikanischen und chinesischen Technologien zu verringern.

Da Google Search derzeit rund 90 % des europäischen Marktes hält, mag der Wechsel zum datenschutzbewussten Qwant kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein, symbolisch ist er dennoch bedeutsam.

Gleichzeitig schwindet die Geduld der Europäerinnen und Europäer gegenüber US-Unternehmen, denen überwachungsbasierte Geschäftsmodelle vorgeworfen werden.

Laut einer Politico-Umfrage geben mehr als 8 von 10 Befragten (84 %) an, dass sie amerikanischen Technologieunternehmen den verantwortungsvollen Umgang mit ihren persönlichen Daten nicht zutrauen.​

jurgita justinasv Izabelė Pukėnaitė vilius Ernestas Naprys Eglė Kristopaityte
Lies unsere neuesten Artikel auf Google News

Was ist Qwant?

Die 2011 gegründete Suchmaschine Qwant wird in Europa gehostet, ist kostenlos und verzichtet auf Drittanbieter-Cookies, Tracker und verhaltensbasiertes Targeting. Das Geschäftsmodell basiert auf Werbung, die rechts neben der Suchleiste eingeblendet wird.

Qwant stützt sich auf eine eigene Datenbank mit mehr als 20 Milliarden indizierten Webseiten (Stand 2023) sowie auf Bing, um die Suchergebnisse zu ergänzen.

ADVERTISEMENT

Im Jahr 2024 schloss Qwant eine Partnerschaft mit der Berliner Suchmaschine Ecosia und gründete das gemeinsame Projekt European Search Perspective (EUSP), das auf die Schaffung eines unabhängigen europäischen Web-Index abzielt, um die Abhängigkeit von Bing zu verringern.

Anfang dieses Jahres forderte die EUSP europäische Regierungen auf, Ecosia und Qwant als Standardsuchanbieter einzuführen. Den Schätzungen zufolge würde dieser Wechsel dazu beitragen, den europäischen Index im Wert von 50 Millionen Euro zu finanzieren.

Der Suchmarkt wird von einem Kartell aus Google und Browser-Herstellern beherrscht. Alles, was dieses Kartell aufbricht, stärkt die Souveränität, indem es diesen Markt öffnet.

Robin Berjon

Laut der Datenschutzrichtlinie von Qwant erfasst die Suchmaschine technische Gerätekennungen und -eigenschaften der Nutzerinnen und Nutzer, darunter etwa Gerätetyp und Betriebssystem und IP-Adressen.

Wer ein Konto anlegt und neue Funktionen wie unbegrenzte KI-Nutzung in Anspruch nimmt, gestattet Qwants Partner Microsoft, Geräte- und Browserdaten zu verwenden, um Profile für personalisierte Werbung zu erstellen.

Robin Berjon, Technologe und Gründer der Beratungsfirma Supramundane Agency, ist der Ansicht, dass der Wechsel zu europäischen Suchmaschinen Europas Bemühungen um digitale Unabhängigkeit zugutekäme, selbst wenn dabei Abhängigkeiten von US-Anbietern bestehen blieben.

Er betont, dass Souveränität nicht zwangsläufig bedeute, alle Technologien lokal zu entwickeln. Es gehe vielmehr darum, in der eigenen Gerichtsbarkeit eigene Regeln aufzustellen.

„Der Suchmarkt wird von einem Kartell aus Google und Browser-Herstellern beherrscht. Alles, was dieses Kartell aufbricht, stärkt die Souveränität, indem es diesen Markt öffnet“, erklärt Berjon gegenüber Cybernews.

Viele Europäerinnen und Europäer kennen lokale Alternativen schlicht nicht, denn Google Search ist in den meisten gängigen Browsern und im Android-Betriebssystem voreingestellt.

ADVERTISEMENT

Hier sind einige weniger bekannte europäische Suchmaschinen:

Ecosia (Deutschland)

Ecosia, Qwants Partner beim Aufbau des europäischen Web-Index, ist vor allem für sein starkes Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit bekannt. Das 2009 gegründete Unternehmen spendet 100 % seiner Werbegewinne für das Pflanzen von Bäumen und breit angelegte Klimaschutzmaßnahmen.

Ecosia zufolge werden die Suchergebnisse der Nutzerinnen und Nutzer standardmäßig nicht personalisiert, es sei denn, sie stimmen dem ausdrücklich zu. Darüber hinaus verwendet das Unternehmen keine Suchdaten, um Werbung anderswo zu personalisieren.

Eine Frau besucht die Website ecosia.org auf ihrem Laptop.
Bild: Serene Lee/SOPA Images/LightRocket via Getty Images

Laut seiner Datenschutzrichtlinie erfasst das Unternehmen nach eigenen Angaben ausschließlich IP-Adressen, Suchbegriffe und sitzungsbezogene Verhaltensdaten.

Neben dem EUSP beziehen Ecosias Suchergebnisse und Werbeanzeigen Daten von den amerikanischen Suchmaschinen Google und Bing. Das bedeutet, Informationen wie Suchanfragen und IP-Adressen können mit Partnerunternehmen geteilt werden.

Mojeek (Großbritannien)

Die britische Suchmaschine Mojeek basiert auf einem eigenen Web-Index und ist damit unabhängig von Bing, Google oder anderen Suchanbietern. Sie wird in Großbritannien gehostet und betrieben, aus dem umweltfreundlichsten Rechenzentrum des Landes.

Mojeek verfolgt eine strikte Datenschutzrichtlinie ohne Nutzerverfolgung, speichert jedoch standardmäßige Protokolldaten auf unbestimmte Zeit. Diese enthalten den Zeitpunkt des Besuchs, die aufgerufene Seite und möglicherweise Referral-Daten.

ADVERTISEMENT

Das Unternehmen gibt an, keine IP-Adressen zu speichern. Stattdessen werden diese durch einen zweistelligen Ländercode ersetzt, der das Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers angibt.

Mojeek ist kostenlos nutzbar, da sich das Unternehmen über Werbeanzeigen finanziert, die oberhalb der Suchergebnisse eingeblendet werden.

GOOD (Deutschland)

Die Berliner Suchmaschine GOOD positioniert sich als Ausweg aus der Welt der Tech-Giganten. Allerdings basiert sie auf Brave, einem unabhängigen Index, der vom amerikanischen Unternehmen Brave Software, Inc. entwickelt und betrieben wird.

GOOD gibt an, keine personenbezogenen Daten zu erfassen oder zu speichern. Die mobilen Browser-Apps des Dienstes beinhalten zudem Werbeblocker und Anti-Tracking-Funktionen.

Das Unternehmen arbeitet jedoch mit Drittanbietern, darunter Bing und Wikipedia, zusammen, um Werbeanzeigen und passende Ergebnisse für Suchanfragen anzuzeigen.

Anders als andere europäische Suchmaschinen finanziert sich GOOD über Abonnements, die ab 2 Euro pro Monat oder 19 Euro pro Jahr erhältlich sind. Teurere Abo-Modelle ermöglichen Nutzerinnen und Nutzern, GOODs Projekte für sozialen Wandel und Klimaschutz zu unterstützen.

Eine neue Ära datenschutzbewusster Suchmaschinen

Während der Wechsel des EU-Parlaments zu Qwant in erster Linie den umfassenderen Vorstoß zur technologischen Souveränität widerspiegelt, wächst auch das allgemeine Interesse an datenschutzbewussten Alternativen zu Google Search.

Das amerikanische Unternehmen DuckDuckGo verzeichnete einen Anstieg bei Installationen und beim Datenaufkommen auf seiner KI-freien Suchseite noai.duckduckgo.com, nachdem Google weitreichende neue KI-Funktionen für die Suche angekündigt hatte.

ADVERTISEMENT

Eine Studie aus dem Jahr 2023 kam jedoch zu dem Ergebnis, dass datenschutzbewusste Suchmaschinen wie Qwant und DuckDuckGo den Datenschutz der Nutzerinnen und Nutzer beim Klicken auf Werbeanzeigen nicht ausreichend gewährleisten.

Die Studienautorinnen und -autoren stellten fest, dass Werbesysteme bei nahezu allen Anzeigenklicks über alle Suchmaschinen hinweg durch die Weitergabe eindeutiger Kennungen mit Werbetreibenden zusammenarbeiten.

Berjon zufolge begünstige die Abhängigkeit von US-amerikanischen Suchindizes Google dabei, den Werbemarkt weiter zu seinen Gunsten zu verzerren, sobald das Unternehmen Zugang zu den Suchdaten erhalte.

Er fügt hinzu: „Wir müssen uns von den Sucherlebnissen lösen, die noch in den 90ern feststecken, und anfangen, den europäischen Suchindex stärker zu nutzen.“


Entdecke weitere exklusive Cybernews-Reportagen auf YouTube.