„EU Tech Map“ sammelt Alternativen zu US-Tech-Konzernen

Der Ersteller einer neuen interaktiven Karte, die europäische Technologieunternehmen erfasst, erklärt, in einigen von den USA dominierten Bereichen gebe es mehr lokale Alternativen, als er ursprünglich angenommen habe.
Seit der Veröffentlichung am 17. Februar verzeichnet die Karte bereits 651 europäische Technologieunternehmen aus 44 Ländern. Unternehmen werden aufgerufen, sich ebenfalls einzutragen.
Die Website eutechmap.com, veröffentlicht von Unternehmer Dante Emilio Grassi, bietet eine interaktive Karte mit Technologieunternehmen aus jedem europäischen Land sowie ein Verzeichnis, in dem Nutzer gezielt nach europäischen Alternativen zu amerikanischen Produkten und Diensten suchen können.
Nutzer können aus 75 Kategorien wählen, darunter E-Mail, Cloud-Speicher und E-Commerce-Dienste.
In einem LinkedIn-Beitrag schrieb Grassi, in vielen Kategorien, die als „US-dominiert“ gelten, gebe es tatsächlich mehr als zehn europäische Alternativen. Gleichzeitig würden Gründer aus Ländern wie Estland, Bulgarien und Portugal „erstklassige Tools“ entwickeln.
Laut der Website muss jedes Unternehmen folgende Kriterien erfüllen: strategische Autonomie, wirtschaftliche Sicherheit, Wertekonformität, kollektive Resilienz und europäische Innovationskraft.
„Seit Jahrzehnten entstehen in der EU herausragende Technologien. Dennoch wissen unsere eigenen Institutionen, Unternehmen und Bürger oft nicht einmal, dass es sie gibt“, heißt es auf der Website.
Europas digitale Souveränität stößt auf Widerstand
Bereits im Januar berichtete Cybernews über die erste Welle veröffentlichter Listen mit EU-Alternativen. Die EU-Tech-Map zeigt, dass Europas digitale Abhängigkeit zunehmend zum Thema wird. Hintergrund sind die wachsenden Spannungen zwischen Washington unter der Präsidentschaft von Donald Trump und den europäischen Regierungen.
Doch das ist leichter gesagt als getan. Die US-Unternehmen Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud stellen Schätzungen zufolge 70 % der europäischen Cloud-Infrastruktur bereit.
Die Europäische Union zieht lediglich 7 % der weltweiten Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) an und liegt damit deutlich hinter den USA und China zurück.
Europas wachsendes Streben nach digitaler Unabhängigkeit kommt in Washington nicht gut an. Amerikanische Regierungsvertreter haben zuletzt keine Gelegenheit ausgelassen, ihren langjährigen Verbündeten öffentlich zu kritisieren oder unter Druck zu setzen.
Der nationale US-Cyber-Direktor Sean Cairncross bezeichnete die Vorstellung, Trump könne das Internet abschalten, als „kein glaubwürdiges Argument“ und stellte klar: Nicht die USA seien das Problem, sondern China – davor sollte sich Europa fürchten.
„Es gibt einen sauberen Tech-Stack. Der ist in erster Linie amerikanisch. Und dann gibt es einen chinesischen Tech-Stack“, wird Cairncross von Politico zitiert.
Einzelne EU-Länder haben bereits damit begonnen, amerikanische Technologien durch lokale Alternativen zu ersetzen. Frankreich etwa gab kürzlich bekannt, die Videokonferenz-Tools Microsoft Teams und Zoom abzuschaffen und stattdessen auf die eigene Plattform Visio zu setzen.
Schleswig-Holstein in Deutschland stellt derzeit von Microsoft-Software auf freie Open-Source-Lösungen um. Auch Dänemarks Ministerium für Digitalisierung gab bekannt, von Microsoft auf LibreOffice zu wechseln.
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