Europas Weltraumwende: Deutschland führt Abkehr von US-Technologie an

Österreich, die Schweiz und Luxemburg haben zugesagt, Deutschland beim Aufbau eines militärischen Weltraumkommandos in Europa zu unterstützen. Erklärtes Ziel ist, die Abhängigkeit von den USA zu verringern.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kündigte auf einer Pressekonferenz in Berlin an, dass Deutschland ein Europäisches Weltraumkomponentenkommando sowie eine Weltraumausbildungsakademie aufbaue.
Pistorius lud die Partnerländer Österreich, Schweiz und Luxemburg ein, die Initiative aktiv mitzugestalten, statt sie lediglich zu übernehmen, wie Defense News berichtet.
Die Ankündigung ist Teil von Deutschlands 35 Milliarden Euro schwerem Investitionspaket für den militärischen Weltraum, das verschlüsselte Satellitenkonstellationen im niedrigen Erdorbit sowie militärische Startkapazitäten vorsieht.
Darüber hinaus sieht das Investitionspaket den Ausbau des Weltraumkommandos innerhalb der Bundeswehr vor.
Österreichs Verteidigungsministerin Klaudia Tanner erklärte, ihr Land plane, im kommenden Jahr drei Militärsatelliten sowie ein Testobjekt einsatzbereit zu machen und in die Umlaufbahn zu bringen.
Zu den Projekten zählt LEO2VLEO, eine österreichisch-niederländische Gemeinschaftsinitiative. Der Satellit soll auf einer niedrigen Erdumlaufbahn positioniert werden. Im Krisenfall könnte er auf eine Höhe von 250–350 km absinken, hochauflösende Bilder liefern und in einen sicheren Orbit zurückkehren.
Tanner betonte, die in Zusammenarbeit mit österreichischen Start-ups entwickelten Satelliten würden Partnerländern zur Verfügung gestellt, und hob dabei die Notwendigkeit einer unabhängigen Kommunikation im Krisenfall hervor.
Schweizer Bundesrat Martin Pfister erklärte, der Weltraum sei jener Bereich, in dem Europa die größte Abhängigkeit von nichteuropäischen Technologieanbietern aufweise.
„gerade ein kleiner Staat könne diese Abhängigkeit nicht allein lösen“, so Pfister.
Auch wenn das greifbarste Ergebnis des Treffens in erneuten Kooperationsbekundungen besteht, kommt diesen dennoch echte Bedeutung zu.
Während Luxemburg Gründungsmitglied der NATO ist, ist Österreichs Neutralität im Verfassungsgesetz verankert. Auch für die Schweiz ist die immerwährende Neutralität ein zentrales außenpolitisches Instrument, das den Beitritt zu Militärbündnissen wie der NATO ausschließt.
Dass beide Länder nun bereit sind, die Zusammenarbeit bei militärischen Weltraumoperationen zu intensivieren, stellt eine merkliche Abkehr vom bisherigen Kurs dar. Innenpolitisch ist das nicht unumstritten – beide Regierungen stehen unter Druck, den Schritt mit ihrer jeweiligen Neutralitätsdoktrin zu vereinbaren. Eine klare rechtliche Einordnung steht bislang aus.
Trotz des wachsenden Rufs nach strategischer Autonomie Europas im Weltraum bleibe „die operative Realität durch industrielle Zersplitterung und Risikoscheu eingeschränkt“, so eine Analyse des Center for Strategic and International Studies aus dem Jahr 2025.
So setzt strategische Autonomie etwa den Betrieb kritischer Infrastruktur voraus, darunter Startdienste, die derzeit hauptsächlich von SpaceX und anderen nichteuropäischen Unternehmen erbracht werden.
Europa wendet sich von amerikanischer Technologie ab
Die EU kündigte im Januar 2026 die Einführung eines sicheren, verschlüsselten Satellitenkommunikationssystems an, das eine Alternative zu Elon Musks Starlink sein könnte.
Streitkräfte und Regierungen aller Mitgliedstaaten erhielten Zugang zu einer souveränen Satellitenkommunikation, die laut Andrius Kubilius, dem EU-Kommissar für Verteidigung und Weltraum, „in Europa entwickelt, in Europa betrieben und unter europäischer Kontrolle“ sei.
Der Weltraum ist dabei längst nicht das einzige Feld, auf dem europäische Staaten zunehmend versuchen, ihre Abhängigkeit von amerikanischen Technologien zu verringern.
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